
Putin-Lexikon
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Privater, politisch unabhängiger Presse-Blog zum Thema
Osteuropa und Russland
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PUTIN-LEXIKON:
BRISANTE AKTEURE DER PUTIN-ÄRA, DIE SCHLAGZEILEN ERZEUGTEN
K4 (Kl-Kn) Neu
im Juni 2023, aktualisiert im Jan. 2025
KLEBANOV, Ilja Josifovich
II III (1951-,
sowjet. Ingenieur-Elektrophysiker, russ. Unternehmer u. ehem. hochrangiger
Politiker.
Absolvent des nach M.I.
Kalinin benannten Leningrader Polytechnischen Instituts.
In der Sowjetzeit arbeitete er als Elektroingenieur u.
Konstrukteur, Büroleiter u. stv. Cheftechnologe, 1992 wurde
er Generaldirektor eines Unternehmens für optische Geräte u.
Konsumgüter /"LOMO"/,
das 1993 privatisiert wurde, was der AG ermöglichte, die
Produktion zu modernisieren u. in neue Technologien zu
investieren, um auf dem Weltmarkt bestehen zu können. Ab
1994 war Klebanov Mitglied des Rats für Industrie u.
Unternehmertum beim Präsidenten RF u. des Vorstands der
"Promstrojbank Russlands", des Vorstands des
"Russian-American Entrepreneurship Fund" sowie des
Kuratoriums der "Tovstonogov Bolshoj Drama Theatre
Foundation". Ende 1997 verliess er im Zuge seiner Ernennung
zum 1. Vizegouverneur von St. Petersburg den Posten des
Generaldirektors der "LOMO" AG. Im Jan. 1998 wurde er zum 1.
stv. Gouverneur von SPB unter s. Vladimir Jakovlev ernannt
u. übernahm die Leitung des Komitees für Wirtschaft u.
Industriepolitik der nördlichen Hauptstadt. Als im Mai 1999
s. Sergej Stepashin zum neuen Regierungschef RF ernannt
wurde, wurde Klebanov zum stv. Vorsitzenden, zuständig für
den militär.-industriellen Komplex, ernannt. Umzug von St.
Petersburg nach Moskau. Als im Aug. 1999 anstelle von
Stepashin eine Regierung unter V. Putin gebildet wurde,
behielt Klebanov in dessen 1. Kabinett nicht nur seine
Position, sondern wurde im Sept. zum 1. stv. Vorsitzenden
der Kommission beim Präsidenten RF für die
militär.-technische Zusammenarbeit mit ausländ. Staaten
ernannt. Als im Feb. 2000 zwischen der Republik Belarus u.
der RF ein Abkommen über die Schaffung einer zwischenstaatl.
Finanz-industriellen Gruppe FPG auf der Grundlage der russ.
FPG "Verteidigungssysteme" unterzeichnet wurde, wurde
Klebanov zum Vorsitzenden des Verwaltungsrats der FPG
ernannt. Nachdem
Putin zum Präsidenten RF gewählt worden war, wurde im Mai 2000
s. Mikhail Kasjanov zum PM RF ernannt, in dessen Regierung
Klebanov seine Position behielt. Er beaufsichtigte Fragen des
militär.-industriellen Komplexes u. der Waffenexporte. Im Aug.
übernahm er die Leitung der Regierungskommission zur
Untersuchung der Ursachen des Untergangs des Atom-U-Bootes "Kursk",
die per Dekret des Präsidenten RF errichtet wurde. Ganz zu
Beginn der Arbeit der Kommission äusserte Klebanov die Version
einer Kollision der "Kursk" mit einer Anti-Schiffsmine aus der
Zeit des 2. WK, die möglicherweise auch zur Detonation der
Torpedos führte. Nachdem sich diese Version als falsch
erwiesen hatte, wurde sie nicht mehr vertreten. Im Okt. 2001
wurde Klebanov zusätzlich zum stv. MP RF ernannt u. leitete
das Ministerium für Industrie, Wissenschaft u. Technologie RF
als Nachfolger von Aleksandr Dondukov. Im Feb. 2002
wurde er von seinem Amt als stv. MP entbunden, behielt jedoch
die Position des Ministers für Industrie, Wissenschaft u.
Technologie.
Nach seinem Ausscheiden aus diesem Ministeramt wurde
Klebanov Anfang Nov. 2003 zum bevollmächtigten Vertreter
des Präsidenten RF im Nordwestl. Föderationskreis ernannt.
Rückkehr nach St. Petersburg. Aufnahme in den Sicherheitsrat RF. Bei dieser
Ernennung wurde Klebanov von seiner Vorgängerin in diesem
Amt, s. Valentina Matvienko, die zur Gouverneurin von SPG
gewählt wurde, wegen seiner umfassenden Kenntnisse der
Zuständigkeiten unterstützt u. als „ein guter Politiker, ein
ausgeglichener Mensch mit aussergewöhnlich guten
menschlichen Qualitäten“ gelobt. Auch der 1. stv.
bevollmächtigte Vertreter s. Aleksandr Beglov, ehemals
amtierender Gouverneur von SPB, stimmte dieser Ernennung zu.
Als Putin im Mai 2008 als Präsident RF zurücktrat,
wurde Ilja Klebanov zwar aus seinem Amt entassen, aber vom
neuen Präsidenten RF s. Dmitrij Medvedev als dessen
bevollmächtigter Vertreter im Föderationskreis Nordwest
erneut ernannt. Im Sept. 2011 entband Medvedev Klebanov per
Dekret von seinen Pflichten als bevollmächtigter Vertreter
des Präsidenten RF im Föderationskreis Nordwest im Zuge
seiner Versetzung auf eine andere Dienststelle. Im selben
Monat schied er aus dem Sicherheitsrat RF aus. Im Okt. wurde
Klebanov Vorsitzender des Aufsichtsrats der staatl. Reederei
"Sovkomflot"
mit Sitz in SPB, die
auf den Transport von Erdöl u. Flüssigerdgas
spezialisiert ist.
Seit Sept. 2019 ist er Mitglied des Aufsichtsrats der Firma.
2015 wurde er zum Mitglied des Vorstands von "Transneft" gewählt,
das die Erdöl-Pipelines
des Landes betreibt. Klebanovs
Tochter Ekaterina, die die St. Petersburger Universität für
Wirtschaft u. Finanzen absolvierte, leitet seit 2003 die
Firma "Viribus", eine der Hauptaktionärinnen von "LOMO" AG.
Seit 2008 besitzt "Viribus" 38,89% der "FOR Group", eines
grossen Fischereiunternehmens, das im nördlichen,
nordöstlichen u. südlichen Teil des Atlantiks fischt. Auch
sein Sohn Konstantin, Absolvent der St. Petersburger
Staatsuniversität für Informationstechnologien, Mechanik u.
Optik, ist als Einzelunternehmer tätig. Aufgrund des
von
Putin im Feb. 2022 entfesselten russ. Angriffskriegs gegen die Ukraine
fiel Klebanov als
Vorstandsmitglied von "Transneft" im Mai 2023 unter
britische Sanktionen.)
KLEBNIKOV, Paul II III IV V VI (1963-2004, eigtl.
KHLEBNIKOV, Pavel Jurevich; gew. US-amerikan.
Politologe, Historiker, Journalist u. Publizist russ.
Herkunft. Die Familie Khlebnikov verliess Russland 1918 aus
polit. Gründen u. emigrierte in die USA, wo Paul/Pol geboren
wurde. Sein Vater Georgij Khlebnikov leitete die Abteilung für
Simultandolmetscher bei den UN. In den 1980er Jahren
erhielt Paul einen Bachelor-Abschluss von der University of
California in Berkeley mit Schwerpunkt Politikwissenschaft u.
einen Master-Abschluss von der London School of Economics and
Political Science mit einer Diplomarbeit zum Thema
"Personalpolitik der KPdSU 1918-1985“. 1991 Promotion an
derselben Londoner Hochschule mit einer Dissertation zum Thema
"Stolypins Agrarreform u. die wirtschaftl. Entwicklung Russlands
1906-1917“. 1989 begann er als
Korrespondent für das Magazin Forbes zu arbeiten.
Klebnikov, der 5 Sprachen beherrschte –
Russisch, Englisch, Französisch, Italienisch u. Deutsch – analysierte die Tätigkeit
verschiedener internationaler Industrieunternehmen wie
Daimler-Benz, Volkswagen, Renault, Asea Brown Boveri, Xerox,
Alcoa, Samsung. In den 1990er Jahren machte er das "neue russ.
Geschäft“ in Russland zu seinem themat. Hauptschwerpunkt.
Infolgedessen erhielt Klebnikov den Posten des leitenden
Redakteurs der Zeitschrift Forbes. Seit 1996 betrieb
Klebnikov investigativen Journalismus u. veröffentlichte
enthüllende Materialien über den bekannten russ. Geschäftsmann
u. Oligarchen s. Boris Berezovskij wie auch über die Familie
des usbek. Präsidenten Islam Karimov u. den tschetschen.
Kämpfer Khosh-Akhmed Nukhaev, einen Anführer der "Tschetschen.
Republik Ichkerija". Ende 1996 veröffentlichte Klebnikov auf
den Seiten des Magazins Forbes einen Beitrag über Boris Berezovskij, in
dem er Boris Berezovskij Betrug, Geldwäsche, Verbindungen zur
tschetschen. Mafia u. Auftragsmorde, einschliessl. der
Organisation der Ermordung des russ. TV-Moderators Vladislav Listev, vorwarf. Berezovskij
verklagte das Magazin beim Londoner High Court wegen
Verleumdung u. forderte eine Entschädigung sowie die
vollständige Entfernung des Artikels durch das Magazin auch
auf dessen offiziellen Website. Das Gericht zwang das Magazin
jedoch nur einen der im Artikel gemachten Vorwürfe
zurückzuziehen – den Vorwurf, den
Mord an Vladislav Listev organisiert zu haben, da das Magazin
nicht über genügend Beweise für diese Aussage verfügte. Das
Gericht gewährte Berezovskij jedoch keine Entschädigung u.
zwang die Zeitschrift nicht, den Artikel zurückzuziehen. 2000
erschien dann Klebnikovs berühmtes englischsprachiges Buch mit dem Titel "Godfather
of the Kremlin. The Decline of Russia in the Age of Gangster
Capitalism", 2001 in dt. Übersetzung mit dem Titel "Der Pate des Kreml. Boris Beresowski u.
die Macht der Oligarchen" /II III/. In diesem Buch, das auch
in russ.
/II/, franz., poln. u. ungar. Sprache
vorliegt, entlarvte der Autor viele einflussreiche Personen
aus s. Boris Elcyns ehem. Personenumfeld, darunter s. Roman
Abramovich, der zusammen mit Berezovskij u.a. Partnern mit
einem Schlag 2/3 der russ. Aluminiumindustrie übernomen hatte.
Die äusserst lukrative russ. Aluminiumbranche belegte den 2.
Platz nach den USA u. sei wie keine andere von Banditen
überschwemmt worden. 2003 erschien Klebnikovs 2. Buch "Gespräch mit einem Barbaren“ /II russ./, in dem der Autor seine
15-stündige Unterhaltung mit dem berüchtigten tschetschen.
separatist. Militärführer Khosh-Akhmed Nukhaev widergab u.
kommentierte. Während er an dem Buch arbeitete, begann
Klebnikov auch, sich tiefer mit dem Wahhabismus zu befassen, der in der
tschetschen. Unabhängigkeitsbewegung eine wichtige Rolle
spielt. Klebnikov vertrat die These, dass der islamische
Terrorismus, den man sowohl in Russland als auch auf der
ganzen Welt beobachten kann, aus der Kultur des gewöhnlichen
Banditentums der arab. Welt hervorgegangen sei. Im April 2004
gründete Klebnikov die russ. Ausgabe von Forbes /II/ u. wurde Chefredaktor des
Magazins. Im Mai veröffentlichte das Magazin eine Liste der
100 reichsten Menschen Russlands, auf der s. Mikhail
Khodorkovskij, s. Roman Abramovich, s. Viktor Vekselberg, s.
Mikhail Prokhorov, s. Vladimir Potanin, s. Mikhail Fridman, s.
Vladimir Lisin, s. Oleg Deripaska, s. Aleksej Mordashov u. s.
Vagit Alekperov zu den Top 10 der russ. Tycoons gehörten u.
Boris Berezovskij lediglich an 47. Stelle figurierte.
Ermordung, Ermittlungen u. Prozess: Am Abend
des 9. Juli 2004 wurde Klebnikov in der Nähe des Moskauer Büros
der russ. Forbes-Filiale in der Dokukina-Strasse erschossen. Die Täter
schossen mit einer Maschinenpistole aus einem
VAZ-2115-Wagen, in dem sich 3 Personen befanden. 4 Kugeln trafen
Klebnikov in Bauch u. Brust, eine weitere traf seinen Kopf.
Klebnikov wurde in das 20. Stadtkrankenhaus gebracht, wobei er
auf dem Weg in die Intensivstation in einem Aufzug steckenblieb
u. dort starb. Den Ermittlungen zufolge flohen die Täter in
einem gestohlenen Auto mit kaputtem Nummernschild vom Tatort,
das in der Nähe des Hauses 165 im Prospekt Mira abgestellt
worden war. Die Untersuchung der Staatsanwaltschaft kam zum
Schluss, dass der Mord von besagtem Anführer der "Tschetschen.
Republik Ichkerija" Khozh-Akhmed Nukhaev angeordnet wurde u. die
unmittelbaren Täter der Notar Fail Sadretdinov u. die aus
Tschetschenien stammenden Kazbek Dukuzov u. Musa Vakhaev waren.
Nach Angaben der Ermittlung rächte sich Nukhaev an Klebnikov für
das über ihn geschriebene Buch "Gespräch mit einem Barbaren“. Im
Mai 2006 wurden alle 3 Angeklagten auf der Grundlage des Urteils
der Geschworenen freigesprochen. Gegen das Urteil protestierten
die Generalstaatsanwaltschaft RF u. die Familie Klebnikov. Laut
der Anwältin der Klebnikovs, Larisa Maslennikova, hätten die
Angeklagten u. einige ihrer Anwälte während des Prozesses
„offensichtlich rechtswidrige Handlungen“ begangen, u. der
Freispruch wurde ausgesprochen, obwohl „die Verteidigung keine
Beweise vorgelegt hat, die die vorgelegten Beweise widerlegen
würden.“ Im Nov. 2006 hob das Oberste Gericht RF den Freispruch
auf u. wies den Fall zur erneuten Untersuchung zurück. Nukhaev
wurde auf die russ. u. internationale Fahndungsliste gesetzt.
Laut der Zeitung Tschetschen. Gesellschaft wurde
dieser jedoch zwischen Ende Feb. u. Anfang März 2004, also 4
Monate vor der Ermordung Klebnikovs, in den Bergen Dagestans
getötet u. konnte nicht an dem Mord beteiligt gewesen sein:
Einer anderen Version zufolge gelang ihm die Flucht. Seither gab
es keine Publikationen mehr über ihn. Im Nov. 2017 berichtete
das Innenministerium RF, dass ein Verdächtiger der
Mittäterschaft am Mord, Magomed Dukuzov, der Bruder des
mutmasslichen Täters, Kazbek Dukuzov, in der Ukraine
festgenommen worden sei, wobei die Staatsanwaltschaft RF seine
Auslieferung gefordert habe. 2 Jahre früher soll Kazbek
Dukuzov wegen in den Vereinigten Arabischen Emiraten begangener
Verbrechen dort inhaftiert gewesen sein. Anfang 2015 sei von der
RF ein Auslieferungsersuchen an die VAE wegen des Verdachts der
Ermordung Klebnikovs an die VAE gerichtet worden. Nach seiner
Freilassung im Rahmen einer Amnestie soll Dukuzov die VAE mit
unbekanntem Ziel verlassen haben. Laut "Rosbalt" hat K. Dukuzov
eine Reihe weiterer Morde begangen. Wie
"Lenta.ru" feststellte, seien viele russ. Oligarchen, deren
Namen auf besagter Liste des Magazins Forbes kurz
vor Klebnikovs Tod erschienen, mit ihrer Erwähnung unzufrieden
gewesen. Ein Teilnehmer der Untersuchung sagte in einem
Interview mit Kommersant, dass man fast die gesamte
russ. Elite auf ihre Beteiligung an der Organisation des
Mordes an Paul Klebnikov überprüft habe u. dass sich unter den
potenziellen Verdächtigen nicht nur die Haupthelden zweier
Bücher des Journalisten – also Boris Berezovskij u.
Khozh-Akhmed Nukhaev –, sondern auch Dutzende Geschäftsleute
u. Bankiers befanden, deren Namen auf die Seiten von Forbes
gelangten. Vielen dieser Leute hätten Klebnikovs
Veröffentlichungen nicht gefallen. s. Aleksandr Litvinenko
behauptete in seinem eigenen Buch "Die Lubjanka-
Verbrechergruppe“, dass Klebnikov sein Buch über Berezovskij
im Auftrag von Leuten aus dem Umfeld Aleksandr Korzhakovs geschrieben habe.
2004 gründete die Familie Klebnikov eine Stiftung zur
Unterstützung russ. Journalisten u. rief die Auszeichnung "Für
Mut im Journalismus“ ins Leben, die bereits an mehrere
Journalisten verliehen wurde. 2004 verlieh das "Komitee zum
Schutz von Journalisten" Klebnikov posthum den Internationalen
Preis für Pressefreiheit. 2014 sagte US-Aussenminister John
Kerry, Klebnikov sei „die Stimme des Gewissens im Kampf gegen
Korruption“ gewesen, u. forderte Russland auf, die noch nicht
identifizierten Täter dieses Verbrechens endlich vor Gericht
zu stellen. Offensichtlich besteht seitens des Kremls bis
heute kein Interesse, dieses u. zahlreiche andere Verbrechen
dieser Art aufzuklären.)
KLEIN,
Margarete II III IV V VI VII VIII IX
(1973-, dt. Historikern u.
Politologin mit Studium in München, Dr. phil.
Sie arbeitet als Wissenschaftlerin in der Forschungsgruppe
Osteuropa u. Eurasien der Stiftung Wissenschaft u. Politik SWP in Berlin,
deren Leiterin sie ist. Zu ihren Forschungsschwerpunkten
zählen die Aussen-, Sicherheits- u. Militärpolitik Russlands,
insbes. Russlands Nahost- u. Asienpolitik sowie Moskaus
Verhältnis zur NATO,
russ. Militärpolitk u. -reform, Russland als
euro-pazifische Macht, Russlands Nordostasienpolitik,
russ. Föderalismus u. Entwicklung der Organisation
des Vertrags über kollektive Sicherheit.
Während des Ukrainekriegs 2022/23 trat sie des öftern als
Expertin im dt. TV auf.)
KLEJMJONOV, Kirill Alekseevich II III IV V VI VII VIII IX Xa Xb Xc XI XIIa XIIb XIIc XIII XIV XV XVI XVII XVIII XIX XX XXI XXII XXIII
XXIV
XXV
XXVI
XXVII
XXVIII
XXIX
XXX
XXXI
XXXII
XXXIII XXXIV XXXV XXXVI XXXVII XXXVIII
XXXIX
XL
XLI
XLII
XLIII
XLIV
(1972-, russ. Philologe,
Journalist,
TV-Moderator, Medienmanager
u. kremlnaher Propagandist. Z.Zt. stv. Generaldirektor,
Direktor der Direktion für Informationsprogramme u.
Mitglied des Verwaltungsrats von "ORT / 1. Kanal".
Absolvent der Romanisch-Germanischen Abteilung der
Philolog. Fakultät der MSU. In den 1990er Jahren arbeitete
er für verschiedene kleine Radiosender, moderierte
Nachrichten, war Korrespondent der Nachrichtenagentur
"Interfax" u. Redaktor/Moderator
beim "1. Kanal - Ostankino“.
1998-2004 moderierte er einen
Teil der Nachrichtensendungen des Programms "Vremja" von "ORT", ab
Sept. 2002 des "1. Kanals".
Die Entscheidung, Klejmjonov zum Moderator zu ernennen,
wurde von s. Sergej Dorenko getroffen, dem damaligen
Chefproduzenten der Direktion für Informationsprogramme u.
Direktor des Informationsdiensts von "ORT". 2004 arbeitete
er als Pressesprecher des Präsidenten u. als stv. Leiter
der PR-Abteilung des Unternehmens "Lukoil". Im Nov. 2004 wurde er zum
neuen Direktor der Direktion für Informationsprogramme u.
zum stv. Generaldirektor von "ORT / 1. Kanal" ernannt.
2007 wurde er Mitglied der "Russ. TV-Akademie". 2008-9 sprach er
im Rahmen der Sendung "Vremja" mit dem Präsidenten RF s.
Dmitrij Medvedev /s. oben Links X-XII/ u. war 2015 als
Moderator an der Sendung "Direkte Linie mit Vladimir Putin“
beteiligt /II III/.
2016 wurde er Mitglied des Verwaltungsrats
von "ORT / 1. Kanal". 2018 kehrte er als Moderator der
Newssendung "Vremja" im "1. Kanal" zurück u. leitete bis
2020 einen Teil des entsprechenden Programms für
Zentralrussland. Ihm kam die Ehre zu, 2018 nicht nur die Neujahrsausgabe,
sondern auch die Sendung zum 50-jährigen Jubiläum des
"1. Kanals" mit der Anwesenheit V. Putins zu moderieren.
Im Juni 2021 wurde er in den Vorstand des FC "Spartak Moskau" berufen, wo er für
die Beziehungen des Klubs zu staatl. u. öffentl.
Organisationen verantwortlich war. 2017-20 war er Mitglied
des
Öffentl. Rats beim Verteidigungsministerium RF u. 2020-23
des Öffentl. Rats beim Innenministerium RF.
Kritik: Olga Saburova, Kolumnistin der Zeitung Sobesednik,
beschrieb Kirill Klejmjonov als „eine tägliche Kopie [s.
Dmitrij] Kiseljovs“. Auch
andere TV-Kritiker verglichen die Art der Arbeit dieser
Moderatoren miteinander, wobei gewisse Ähnlichkeiten mit
Kiseljov, teilweise aber auch mit dem ehem.
"Vremja"-Moderator s. Valerij Fadeev festgestellt wurden.
Laut s. Vladimir Kara-Murza Sr. imitierte Klejmjonov
nicht so sehr den Moderationskollegen seines Senders,
sondern vielmehr dessen Chef s. Konstantin Ernst selbst,
etwa nach dessen Auftreten u. Frisur. Ansonsten beschrieb
Kara-Murza
in einem späteren Artikel den
Frontmann vom "1. Kanal" als
einen sehr durchschnittlichen Moderator, der unfähig sei,
irgend etwas Übernatürliches zu zeigen; er werde den
Zuschauern lediglich wegen der „Grobheiten in Erinnerung
bleiben, die er sich während der Hauptnachrichtensendungen
erlaubt“ habe. s. Irina Petrovskaja nannte
Klejmjonov einen „Sänger der parallelen Realität“ u. ist
der Ansicht, dass er gegen den Kanon des
Informationsgenres verstösst bzw. dessen Grenzen
verschiebt, indem er ständig seine persönl. Meinung zu den
Ereignissen äussert, über die berichtet wird, um die
entsprechende Haltung der Zuschauer zu den Geschehnissen
zu bilden, etwa während der Berichterstattung über den
Präsidentschaftswahlkampf von 2018. Ein weiteres Beispiel
dieser Art sei die Berichterstattung über den Skandal der
Vergiftung s. Sergej Skripals gewesen, bei der Klejmjonov
über die Gefahren des „Berufs des Verräters“ sprach u.
damit in mehreren europäischen Medien für Aufsehen sorgte.
Indem Klejmjonov
in diesem Fall eine
„Warnung an die Vaterlandsverräter“ ausgesprochen habe, sei
„hier der Zynismus der Information vorausgegangen", fügte
der TV-Kommentator der Novaja gazeta Slava
Taroshchina hinzu. Laut Aleksandr
Melman, eines TV-Kommentators des Moskovskij
komsomolec, betreibt Klejmjonov „keinen
Journalismus, sondern Propaganda“. Klejmjonov
sei es laut Beobachtern sogar gelungen, den Klassiker
dieses Genres, Dmitrij Kiseljov selbst, zu übertreffen.
Laut Vadim
Popov, TV-Kommentator
der Literaturnaja gazeta, versuche
Klejmjonov, „sich
durch einfallsreiche, wortreiche Einleitungen hervorzutun.
Doch wenn Kiseljov über Geschmack, Gedanken u.
Vorstellungskraft verfügt, dann ersetzt Klejmjonov
den Inhalt durch Obszönitäten u. einen spöttischen,
sarkastischen Ton“. Der
Publizist Aleksandr Nevzorov brachte die
Spezifik Klejmjonovs wie folgt auf
den Punkt: „Klejmjonov
ist eine völlig andere Waffe, ein neuer Radius der
Schärfe, ein neuer Radius der Zerstörung. Er ist,
sagen wir, der Stärkste in dieser Firma... Er ist
einer der Menschen, die ihre Meinung sagen dürfen,
u. er weiss, wie es geht." Was die Lage der
Opposition in Russland betrifft, habe Klejmjonov
wiederholt
Intoleranz gezeigt. Der Publizist Vadim Shtepa
zog in dieser Hinsicht direkte Parallelen zur
Sowjetzeit: „Die reale Opposition sei praktisch auf
den Status von Dissidenten aus der Sowjetzeit
reduziert worden", einschliesslich „Bedrohung
mit Gefängnisstrafe
oder Strafpsychiatrie". Die Teilnehmer
der Konferenzen
des "Forums Freies Russland" in Vilnius
bezeichnete
Klejmjonov
in
seiner Einschätzung als
Moderator der Sendung "Vremja“ als „eine
psychiatrische Gesellschaft, die an einer
depressiven Form von Hass gegenüber Russland leidet
…“, eine typische Ausdrucksweise der Diffamierung
der Oppositionellen u. Andersdenkenden durch die
Kreml-Propaganda.
Das "Forum Freies Russland", das die sog.
"Putin-Liste" führt, wirft Klejmjonov
"aktive, langjährige Beteiligung an der
Legitimierung u. Propaganda des Putin-Regimes" vor.
Hauptgrundlage für die Vorwürfe gegen Klejmjonov sei
seine offizielle Position als Leiter einer der
grössten Medienstrukturen Russlands, die seit vielen
Jahren aktiv für Propagandazwecke genutzt werde,
sowie seine persönl. Beteiligung an
Propagandaaktivitäten als Moderator. Die
Informationssendungen des "1. Kanals" unter der
Leitung Klejmjonovs seien zu einer der wichtigsten
Ressourcen für die Informations- u.
Propagandaunterstützung der Aggression des russ.
Regimes u. seiner Verbrechen gegen die
Menschlichkeit geworden, darunter der Krieg mit
Georgien, die Besetzung u. Annexion der Krym, die
militär. Aktionen in der Ostukraine, die
MH-17-Katastrophe, der Mord an Litvinenko, das
Attentat auf die Skripals, usw. Klejmjonov trage
persönl. Verantwortung für die Errichtung
eines harten autoritären Regimes in Russland
unter Putin an der Spitze. Er habe seine
Loyalität gegenüber Putin nie verborgen,
etwa während des
Präsidentschaftswahlkampfs
von 2018, bei dem sich
Klejmjonov offen u.
öffentlich für Putin einsetzte
u. gegenseitiges
Vertrauen
genoss.
Ein indirekter
Beweis für
Klejmjonovs
Mitschuld an
den Verbrechen
des
Putin-Regimes
sei die
Verleihung
höchster
staatl.
Auszeichnungen,
darunter des
Ordens der
Freundschaft,
des
Ehrenordens u.
des
Verdienstordens
für das
Vaterland. Klejmjonov
gelte als leidenschaftlicher Kämpfer gegen die
"Feinde Russlands“, als Entlarver der
"Machenschaften des Westens“ u. als einer der
bekanntesten Ukrainephoben, wie das "Forum" betont.
2014 befürwortete er vehement die Annexion der Krym
u. 2018 drohte er mit einem unausweichlichen Krieg
aufgrund der Spaltung der orthodoxen Kirche. Er
wiederholte immer wieder das Propagandaklischee "der
ukrain. Staat ist ein Widerspruch in sich“, so etwas
wie „heisser Schnee“ u.ä. Klejmjonovs
Name wurde als russ. Propagandist auf die "FBK"-Liste
der "Korrupten Beamten u.
Kriegstreiber" mit
dem Vorschlag gesetzt,
gegen
ihn internationale
Sanktionen zu verhängen.
Sanktionen:
Im
Zuge des von
Putin im Feb. 2022 entfesselten russ. Angriffskriegs gegen die
Ukraine
wurde
Klejmjonov
wegen seiner "Beteiligung an der Verbreitung russ.
Desinformation u. Propaganda“ auf die kanadische
Sanktionsliste "russ. Desinformationsagenten“ gesetzt. Im
Jan. 2023 gelangte er als russ. Propagandist auf die
Sanktionsliste der Ukraine. Seit Feb. 2023 unterliegt er
auch EU-Sanktionen, weil laut EU-Amtsblatt
"der 1. Kanal die Politik der
russ. Behörden durch seine Propagandaaktivitäten unterstützt
u. verstärkt, ... das
Kreml-Narrativ verbreitet u. die territoriale Integrität
der Ukraine ... untergrub". Kirill
Klejmjonov habe "direkten Einfluss auf den
Informationsgehalt des 1. Kanals u. darauf, wie dieser
über die russ. Aggression gegen die Ukraine berichtet.
..." Aus ähnlichen Gründen wurde er mit Sanktionen der Schweiz /s. Kleimenov/ belegt.)
KLIMENKO,
German Sergeevich II 2011-16: II III IV V VI VII VIIIa VIIIb VIIIc IX X XI XII XIII XIV XV XVI XVII XVIII XIX XX XXI XXII XXIII XXIV XXV XXVI XXVII XXVIII XXIX XXX XXXI XXXII XXXIII XXXIV XXXV XXXVI XXXVII XXXVIII XXXIX XL
XLI XLII XLIII XLIV XLV XLVI XLVII 2017-: II III IV V VI VII VIII
IX
X
XI XII XIII XIV XV XVI XVII XVIII XIX XX XXI XXII XXIII XXIV XXV XXVI XXVII XXVIII XXIX XXX XXXI XXXII XXXIII XXXIV XXXV XXXVI XXXVII XXXVIII XXXIX XL XLI (1966-,
sowjet. IT-Ingenieur-Programmierer, russ. Ökonom, Unternehmer u.
kremlnahe Persönlichkeit in der russ. IT-Branche,
Internet-Experte. In den 1980er Jahren studierte er am
Institut für Militäringenieure des Roten Banners namens "A.F.
Mozhajskij" in St. Petersburg mit einem Abschluss als
Softwareingenieur. Absolvent der Fakultät für Umschulung der
Wirtschaftshochschule mit der Qualifikation eines Ökonomen. In
den 1990er Jahren arbeitete er als Programmierer u. stv.
Direktor in einer Filiale einer Irkutsker Kommerzbank. 1996
wechselte er zur Russ. Kreditbank, wo er bis 2000 in ähnlicher
Funktion tätig war. 1995 gründete er die
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft "RK-Audit", ein Jahr später
die Rechtsagentur "Juragenstvo". 2000-8 war er Manager der
Bank "Kvota", heute "Ajvi Bank", die er am Vorabend der
Finanzkrise 1998 für 700 Tsd. USD erwarb. Schöpfer u. Leiter
des LBE-Bannersystems des TopList-Zählers des
List.Ru-Website-Katalogs. 2003 startete er den persönl.
Tagebuchdienst Li.ru u. 2005 schuf er in Zusammenführung
mit Rax.ru den Internetdienst "LiveInternet", dessen Eigentümer er ist,
mit seiner eigenen Blogging-Plattform, die Mitte der 2000er
Jahre in China sehr beliebt war. Im selben Jahr wurde er einer
der Miteigentümer von "3DNews.ru", einem Medienunternehmen für
IT-Technologien, das 1997 ins Leben gerufen worden war. 2009
wurde auf der Grundlage von "Liveinternet" das kontextbezogene
Medienwerbesystem "MediaTarget" eingeführt. 2010 wurde
zusammen mit Artur Perepelkin der "Social Space Fund"
gegründet, ein Investmentfonds für die Entwicklung von
Anwendungen für das soziale Netzwerk "Facebook". Das Budget
des Fonds betrug 10 Mln. USD. Später erkannte Klimenko die
Idee als erfolglos an. Im Juni 2013 wurde er Präsident der
"Vereinigung für die Entwicklung des Electronic Commerce", die
kleine u. mittlere Online-Shops vereinte. Anfang 2014 wurde er
Mitglied des "Clubs der Leader" der russ.
Non-Profit-Organisation "Agentur für Strateg. Initiativen", die
von der Regierung RF gegründet wurde, um Massnahmen zur
Verbesserung des Geschäftsumfelds in Russland umzusetzen.
Vorsitzender des Aufsichtsrats ist der Präsident RF V. Putin.
Bis 2014 kritisierte Klimenko aktiv
die Abgeordneten der Staatsduma RF wegen der Verabschiedung
eines Gesetzes, das die Speicherung personenbezogener Daten
von Russen auf Servern in Russland vorschreibt. Seine
Ansicht änderte sich jedoch nach den Ereignissen in der
Ukraine, als er vorschlug, ausländ. soziale Netzwerke zu
verbieten. Wie "Meduza" feststellte, hatte Klimenko,
bevor er Beamter wurde, in seinen Interviews bereits
begonnen, sich mit den Behörden zu identifizieren. Dabei
habe er Loyalität gegenüber V. Putin u. Vjacheslav Volodin
u. seine Unterstützung für die weitere Einschränkung des
Internets in Russland gezeigt. Im Jan. 2014 wurde
"Mediametrics", ein auf Social-Media-Daten basierender
Nachrichtenaggregator, gestartet, der Mediennotizen anzeigt,
die die meisten Klicks von Social Media erhalten haben.
"Mediametrics" führt einen eigenen Internet-Live-Kanal. Der Dienst
wurde zu Klimenkos eigenem Produkt. Im Feb. 2015 leitete
Klimenko das "Internet Development Institute", das mit
Unterstützung des stv. Leiters der Verwaltung des Präsidenten
RF s. Vjacheslav Volodin gegründet wurde u. dessen Zweck darin
bestand, eine Interaktion zwischen Technologieunternehmen u.
den Behörden herzustellen.
Nach
Beginn des russ.-ukrain. Informationskriegs infolge der
Annexion der Krym u. des Konflikts in der Ostukraine 2014
wurden auf Klimenkos Beschluss alle ukrain. Medien aus dem
Aggregator entfernt. Anfang Aug. 2014 hatte der Dienst etwa 80
Tsd., bis zum 8. Okt. 2015 300 Tsd. Benutzer. Im Aug. 2014
leitete Klimenko den Vorstand von "AllinOne Network", das
Projekte im Bereich E-Commerce für den pharmazeutischen
Einzelhandelsmarkt u. den kommerziellen Medizinmarkt in
Russland sowie im Bereich digitale Werbung für pharmazeut. u.
medizin. Märkte entwickelt. Ende 2015 registrierte "Roskomnadzor" den Kabelfernsehkanal
"Mediametrics". 2015-17
leitete Klimenko das "Internet Entwicklungs-Institut" als
Vorstandsvorsitzender, das mit Unterstützung von s. Vjacheslav
Volodin, dem stv. Leiter der Präsidialverwaltung RF, gegründet
wurde. Der Zweck dieser Organisation bestand darin, eine
Verbindung zwischen Technologieunternehmen u. der Regierung
herzustellen.
Berater des Präsidenten RF: Im Dez. 2015 trat der
Präsident RF V. Putin mit dem Vorschlag an German Klimenko
heran, sein Berater für die Entwicklung des Internets zu
werden. Im Jan. 2016 wurde Klimenko in diese Position in der
Präsidialverwaltung RF berufen u. im Juni verlieh Präsident
Putin Klimenko den Rang eines aktiven Staatsrats RF 3. Klasse.
Während seiner Amtszeit als Berater für Internetfragen hatte
er sich um die teilweise „Schliessung" des Internetraums
in Russland, das Verbot der Anonymität der Internetnutzer u.
die Erlangung der „totalen Kontrolle“ über die
personenbezogenen Daten der Nutzer durch den Staat zu kümmern. Um
dieser Aufgabe gerecht zu werden, sprach er selbst von „unvermeidlicher
De-Anonymisierung von Internetnutzern“, von der
„Anonymität als ein Problem an sich“ u. als „grösstes Problem“ des Internets.
Klimenko ist oder war der
Überzeugung, dass das russ. Gesetz über personenbezogene
Daten verschärft werden sollte, um die für Bürger unnötige
Erhebung ihrer Daten durch die Marktteilnehmer
einzuschränken. Im Juli 2017 verabschiedete
Russland ein Gesetz, das die Anonymität bei Messengern
verbietet. Klimenko war der Ansicht, dass „die Anwendung des
chines. Modells der staatl. Regulierung des Internets
inländischen Internetunternehmen zugute kommen würde“, u. dass
„die einzige Möglichkeit, die Informationssicherheit in
Russland zu gewährleisten, darin besteht, das Internet
einzuschränken, wie in China.“ Im März 2018
erklärte Klimenko, dass Russland technisch bereit sei,
sich vom globalen Internet zu trennen, sagte jedoch
voraus, dass „der Prozess nicht schmerzlos sein" werde, da
viele User in Russland ihre Daten speichern u. Hosting im
Ausland nutzen. Was die Rolle Russlands bei
den US-Wahlen von 2016 anbelangte, bezeichnete Klimenko im
März 2018 Insbes.
die Vorwürfe der Einmischung Russlands in die
US-Wahlen gegen die "Internet Research Agency", die
berüchtigte "Trollfabrik“ von s. Evgenij Prigozhin, als
„Dummheit“ u. „einen Versuch, die Grenzen des Internets zu
schliessen“ /sic/. Klimenko rief wiederholt öffentlich dazu
auf, ausländ. Unternehmen im russ. IT-Markt zu diskriminieren
oder aus ihm zu verdrängen, wobei er von der offenen Drohung
gegen internationale Unternehmen wie "Facebook" u. "Microsoft" nicht
zurückschreckte. Ausserdem erklärte er die Notwendigkeit,
die Steuern für "Apple" u. "Google" zu erhöhen u. schlug ein
Verbot der Verwendung von "Microsoft Windows" in
Regierungsbehörden vor. Gleichzeitig äusserte Klimenko oft
offen sein eigenes materielles Interesse an solchen
Entwicklungen, indem er etwas sagte: „Wenigstens werde ich auf
jeden Fall reich. Wir werden Google u. alle seine Dienste
verdrängen. ... Google nimmt uns Einnahmen weg ... ", u. wenn
es das nicht mehr gibt, werden wir heldenhaft verdienen.“ Und:
„Wenn
die Regierung morgen beschliesst, Google zu verbieten, werde
ich es durchführen.“ Im
Juni 2018 wurde er aus diesem Amt entlassen.
/s. entsprechende Seite bei "Forum Freies Russland"./
In 2,5 Jahren Arbeit habe er den Präsidenten nur
einmal persönlich getroffen. Klimenko
erhielt folgende Auszeichnungen:
"Berühmtheit des russ. Internets, 2000; 7x Nennung im Rating
"Ausgezeichnete Top 20 des Runet", jährlich 2004-10;
"Produzent des Jahres", 2005 u. 2006. Es wurde berichtet, dass auf Klimenkos
Schreibtisch ein Porträt von Josef Stalin stand. 2021 wurde
Klimenko bei den Wahlen zur Staatsduma RF in die Bundesliste
der "Russ. Partei für Freiheit u. Gerechtigkeit"
aufgenommen. Gemäss der Zeitung Vedomosti soll
Klimenko über mit ihm verbundene Personen Eigentümer des BitTorrent-Trackers "Torrnado.ru"
/gewesen/ sein, der raubkopierte Inhalte verbreitet haben
soll. Der Geschäftsmann erklärte, dass "Torrnado.ru" in
Übereinstimmung mit dem Gesetz arbeite u. er damit nichts „zu
tun“ habe, gab jedoch zu, dass er mit dieser Seite
zusammengearbeitet habe u. bezeichnete deren Besitzer als
„seine guten Freunde“. "FINAM" schätzte den Gesamtwert des
Internetvermögens Klimenkos auf über 1 Mrd. Rubel.
Kritik: Von Seiten von
Kritikern wie dem "Forum Freies Russland", das die sog.
"Putin-Liste führt", werden Klimenko folgende Vorwürfe
gemacht: Mittäterschaft unter Ausnutzung seiner offiziellen
Position –
während seiner Tätigkeit als Berater des Präsidenten RF
2016-18 –
bei der Begehung von Verbrechen gegen die verfassungsmässigen
Rechte u. Freiheiten des Menschen u. Bürgers gemäss den entsprechenden
Artikeln von Kapitel 19 StGB RF u. gegen die Grundlagen der
verfassungsmässigen Ordnung u. Sicherheit des Staates gemäss
den entsprechenden Artikeln von Kapitel 29
StGB RF sowie von Verbrechen im Bereich der
Computerinformation gemäss den entsprechenden Artikeln des
Kapitels 28 StGB RF. Die Blockierung von Messengern,
Informationsressourcen usw. hatten schwerwiegende negative
gesellschaftspolit. Folgen, insbes. unter dem Gesichtspunkt
der Verletzung v. Menschen- u. Bürgerrechten u. -freiheiten in
Russland im Bereich der Verbreitung u. des Empfangs von
Informationen, was Art. 29 der Verfassung RF betrifft.
Klimenko, der als Vertreter der Führung der russ.
Staatsmaschinerie im Zeitraum 2016-18 in seinem
Zuständigkeitsbereich direkten Einfluss auf die Staatspolitik
hatte, war für die Verletzung grundlegender Menschenrechte u.
Grundfreiheiten in Bezug auf solche internationalen
Rechtsakte, deren Vertragspartei die RF ist, wie der
Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, dem Internationalen
Pakt über bürgerliche u. polit. Rechte, der Akten der OSZE
u.a.v. verantwortlich.
Darüber hinaus seien die Aktivitäten Klimenkos auf mögliche
Korruptionskomponenten zu überprüfen.)
KLIMENTEV, Andrej Anatolevich Alle Videos (1954-, russ. Unternehmer u.
Oppositionspolitiker in Nizhnij Novgorod. Nach seinem
Schulabschluss trat er in die Automobilabteilung des
Polytechnischen Instituts der Stadt Gorkij ein, brach das
Studium jedoch im 5. Jahr ab. In der Sowjetzeit wurde ihm
Verbreitung von pornograf. Videoprodukten u. die "Vorbereitung
eines Betrugs" vorgeworfen, wodurch er zu einer mehrjährigen
Freiheitsstrafe verurteilt wurde. 1999 erklärte das Oberste
Gericht RF das Urteil für rechtswidrig. In der Folge engagierte
er sich in der Häftlingshilfe. In den 1990er Jahren besass
Klimentev einen Nachtclub, mehrere Supermärkte u. die
Mehrheitsbeteiligung an einer Schiffswerft. Laut Kommersant
finanzierte er im Herbst 1993 die Kampagnen von s. Boris Nemcov,
mit dem er befreundet war, für die Wahlen zum Föderationsrat RF
u. einer Staatsduma-Kandidatin u. soll dafür etwa 100 Mln. Rubel
ausgegeben haben. 1993 gelang es Klimentevs staatl.
Schiffsunternehmen mit Hilfe von Nemcov einen Staatskredit in
Höhe von 30 Mln. USD zu erhalten, von dem später ein Teil
unterschlagen wurde. Die Freunde stritten sich, nachdem Nemcov
laut Klimentev ein Strafverfahren gegen ihn wegen Unterschlagung
von Krediten in Höhe von 18 Mln USD einleiten liess. Während des
Prozesses beschuldigte Klimentev Nemcov, Bestechungsgelder
angenommen u. erpresst zu haben. Nemcov bezichtigte Klimentev
wegen seiner Anschuldigungen der Verleumdung /ausführl. dazu s.
Wikipedia/. Nach der Beurteilung des Obersten Gerichts RF belief
sich der unterschlagene Betrag auf 48 Tsd. USD. Im Okt. 1995
wurde Klimentev im Auftrag der Staatsanwaltschaf RF in
Taschkent, Usbekistan, festgenommen. Während seiner Haftzeit
kandidierte er 2x als Abgeordneter für die Staatsduma RF u. die
Stadtduma von Nizhnij Novgorod. Im April 1997 wurde er nach 6
Artikeln StGB RF angeklagt u. nach Art. 160 Teil 3 StGB RF wegen
"Diebstahls fremden Eigentums“ zu einer Freiheitsstrafe von 1,6
Jahren verurteilt, aber er wurde noch im Gerichtssaal aus der
Haft entlassen, da er diese Zeit bereits in einer U-Haftanstalt
abgesessen hatte. Im März 1998 wurde Klimentev mit 34% der
Stimmen zum Bürgermeister der Stadt Nizhnij Novgorod gewählt,
doch Anfang April wurde die Wahl für ungültig erklärt u.
Klimentev wurde auf Antrag des Staatsanwalts verhaftet u. Ende
Mai zu 6 Jahren Gefängnis mit Beschlagnahmung von Eigentum
verurteilt. Seine Strafe verbüsste er in einem Gefängnis in
Dzerzhinsk. Nach einem Vergleichsurteil wurde er im Okt. 2000
auf Bewährung aus der Haft im Gebiet Kirov entlassen.
2001 nahm Klimentev an der Wahl des
Gouverneurs des Gebiets Nizhnij Novgorod teil u. kam auf den
5. Platz. Der bevollmächtigte Vertreter des Präsidenten RF im
Föderationskreis Volga, s. Sergej Kirienko, sagte vor der
Wahl: „Ich werde zurücktreten, wenn Klimentev die Wahlen
gewinnt“. Während des äusserst schmutzigen Wahlkampfs war
Klimentev einem starken Informationsdruck ausgesetzt: In der
Stadt erschienen Plakate mit Bildern von Prostituierten,
Banditen u. Homosexuellen, die dazu aufriefen, für Klimentev
zu stimmen. Während der Wahl wurde Klimentev ein 5-jähriges
Kind entrissen u. erst nach der Wahl zurückgebracht, wobei
sich die Mutter des Kindes, die Ex-Frau Klimentevs, an der
Wegnahme beteiligte. Laut Klimentev wurde die Operation von
S.V. Kirienko, dem Moskauer Galeristen s. Marat Gelman u.a.
geleitet. Im Herbst 2002 kandidierte Klimentev für die Wahl
des Bürgermeisters von Nizhnij Novgorod; wobei er unmittelbar
vor dem Wahltag von der Richterin des Bezirksgerichts Nizhnij
Novgorod, Vavilycheva, von der Wahl ausgeschlossen wurde, was
übrigens nach dieser Entscheidung zu ihrer Beförderung ans
Gebietsgericht führte. Ihr Vater
war übrigens Vorsitzender des sowjet. Bezirksgerichts von
Nizhnyj Novgorod. 2003 kandidierte Klimentev für die
Staatsduma RF im Kanavinskij-Bezirk der Stadt Nizhnij
Novgorod, wurde jedoch auf Antrag eines gewissen Denis
Gorbushin aufgrund der "Unzuverlässigkeit" der gesammelten
Unterschriften von der Kandidatur abgesetzt. Gorbushin, der
Berufung beim Gericht einlegte u. die Annullierung der
Gültigkeit der Unterschriften forderte, behauptete, die
Unterschriften seien mit unvollständigen Angaben versehen oder
sogar gefälscht worden. Infolgedessen wurden 1561
Unterschriften vom Gericht für ungültig erklärt, wodurch die
Registrierung des Kandidaten Klimentev annulliert wurde. An
einer Pressekonferenz über den Ausschluss Klimentvs von den
Wahlen versicherte Gorbushin , dass er Klagen auch gegen
andere Kandidaten in anderen Gebieten einreichen werde. Nach
Überprüfung durch die Generalstaatsanwaltschaft RF wurde
festgestellt, dass die Unterschriftenblätter in der
Wahlkommission des Kanavinskij-Bezirks der Stadt Nizhnij
Novgorod vollständig ausgetauscht wurden. Denis Gorbushin ist ein russ. Politiker
aus dem Gebiet Penza u. ist/war geschäftlich in Nizhnij
Novgorod tätig. Als Mitwirkender bei Kommunalwahlen
verschiedener Regionen wurde er bekannt dafür, dass er sich
bei der Entfernung unerwünschter Oppositionskandidaten
engagiert u. so unter Journalisten den Ruf eines berüchtigten
Kandidatenkillers erworben hat. /In späteren Jahren setzte
Gorbushin sich in ähnlich aggressiver u. hinterlistiger Weise
für den Ausschluss konkreter Kandidaten bei Kommunalwahlen in
Vologda, Petrozavodsk, Pushchino, Vladimir u. Murom ein.
Obwohl sich Gorbushin in keiner Weise parteilich zu erkennen
gab, war es offensichtlich, dass er in Petrozavodsk heimlich
für die kremlnahe Partei "Einiges Russland“ lobbyierte u. in
Vladimir auf der Parteiliste der "Patrioten Russlands“
nominiert wurde.
Die Schikanen gegen Klimentev, der anscheinend ein Dorn im
Auge des Kremls war, nahmen kein Ende: Anfang 2006 wurde er
unter dem Vorwurf des "Raubs durch Dreschen“ nach Art. 161
Teil 3 StGB RF festgenommen. Klimentev war inzwischen im
Agrargeschäft tätig. Die Anklageschrift ging im Zuge des
Prozesses verloren. Der Geschäftsmann versuchte, seine
Unschuld zu beweisen, indem er argumentierte, dass sowohl das
Feld als auch die Ernte darauf sein Eigentum wären u. er daher
überhaupt nicht „durch Dreschen rauben“ könne. Dennoch wurde
er 2007 des Betrugs für schuldig befunden u. zu 2,5 Jahren
Gefängnis verurteilt. Im Gefängnis schrieb Klimentev seine
Autobiografie "Zwischen Macht u. Gefängnis“. Anfang 2009
verkürzte das Gericht Klimentevs Strafe um 2 Monate.
Anschliessend hob das Gericht des Gebiets Nizhnij Novgorod
ohne Einwand des Staatsanwalts die Verkürzung der Haftstrafe
durch das erstinstanzliche Gericht auf. Im Sommer 2009 kam er
dann aber doch aus dem Straflager frei. Klimentev, der als
polit. Häftling gilt oder sich selbst als einen solchen
betrachtet, wurde in Russland 5x ins Gefängnis eingewiesen u.
verbrachte dort offenbar insgesamt zwischen 15 u. 16 Jahre in
Haft. Der Fall Klimentev erinnert unweigerlich an analoge
Praktiken der Sowjetzeit, als das Prinzip einmal verfolgt u.
strafbar immer verfolgt u. straffällig zur Anwendung kam. Aber
es ging bei dem Unternehmer immer auch um Probleme des Gelds
u. der Finanzen, die zusammen mit polit. Opposition viel
Zündstoff im Putinstaat bildeten. Im Dez. 2018 fand in Nizhnyj
Novgorod zwischen Andrej Klimentev u. s. Vladimir Milov, einem
anderen ehem. Mitstreiter Boris Nemcovs, eine öffentl. Debatte über Nemcov statt. Im
März 2019 berichtete die Presse, dass Andrej Klimentev erneut festgenommen wurde u. vor dem
Bezirksgericht Nizhnij Novgorod erscheinen musste /II/. Wie der Anwalt des Geschäftsmanns
mitteilte, sei das Verfahren gegen Klimentev auf Antrag von
Nina Makalova, seiner ehem. Geschäftspartnerin u. jetzt
Gegnerin vor dem Schiedsgericht, eingeleitet worden. Klimentev
sei wegen des Verdachts der Begehung einer Straftat im Sinne
von Art. 30 u. Art. 159 Teil 4 StGB RF festgenommen worden,
befände sich vorübergehend in einer Haftanstalt, sei aber nicht angeklagt
worden u. habe gemäss Art. 51 der Verfassung RF die Aussage
verweigert. Klimentev erklärte im Gespräch mit dem Anwalt,
dass er mit dem Verdacht des Versuchs, eine Straftat zu
begehen, nicht einverstanden sei u. seine Inhaftierung als
Versuch betrachte, Druck auf ihn u. sein Unternehmen
auszuüben. Im sozialen Netzwerk bezeichnete er seine
Verhaftung als „polit. Zirkusshow", dass „korrupte Politiker
regieren" u. dass sich für ihn „nichts geändert" habe. Im April 2020 wurde Klimentev zu 4 Jahren Gefängnis mit allgemeinem
Regime verurteilt. Ihm wurde ein Betrugsversuch in besonders
grossem Umfang vorgeworfen. Nach Angaben der Ermittler
versuchte der Geschäftsmann, die Schulden einer Rentnerin aus
Sechenov, Nina Makalova, in Höhe von 372 Mln. Rubel auf der
Grundlage fiktiver Dokumente in das Gläubigerregister
aufzunehmen. Der Angeklagte weigerte sich, seine Schuld
einzugestehen. Im Aug. 2020 wurde beim Schiedsgericht des
Gebiets Nizhnij Novgorod gegen Andrej Klimentev im Fall der
Insolvenz der Firma "Sechenovskaja Niva" eine Schuldklage in Höhe von 15,761 Mln. Rubel
eingereicht. Offenbar wurde bzw. sollte der wegen Betrugs
verurteilte Geschäftsmann für bankrott erklärt werden. Wie
Medien berichteten, wurde er im März 2022 vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen /II/.
Andrej Klimentev ist mit Irina Klimenteva verheiratet, die im
März 2019 im Gerichtssaal sagte, dass sie auf ihren Mann
angewiesen sei, sie zusammen eine minderjährige Tochter
hätten, ihr Mann krank sei, er eine Herzoperation gehabt habe,
an Diabetes leide u. eine 85-jährige Mutter habe.)
KLIMKIN, Pavlo Anatolijovych
II III IV V VI VII // II III IV-1dt IV-2dt IV-3dt Vdt VI VII VIII IX X XI XII XIIIdt XIV XV XVI XVII XVIIIruss XIX XX XXI XXII XXIII XXIVruss XXV XXVI XXVII XXVIII XXIX XXX XXXIdt XXXII XXXIII XXXIV XXXV XXXVI XXXVII XXXVIII XXXIX XL XLI XLII (1967-, sowjet. Mathematiker-Physiker,
ukrain. Diplomat
u. Politiker. Absolvent
des Moskauer Instituts für Physik u. Technologie, Fakultät für
Aerophysik u. Weltraumforschung, mit Spezialisierung auf
angewandte Mathematik u. Physik. In den 1990er Jahren war er
wissenschaftl. Mitarbeiter am E.O. Paton-Institut für
Elektroschweissen der Nationalen Akademie der Wissenschaften
der Ukraine. Als Diplomat war er Attaché u. Sekretär des
Departements für Militärkontrolle u. Abrüstung des
Aussenministeriums der Ukraine, bis 2000 Sekretär der ukrain.
Botschaft in Deutschland, zuständig für wissenschaftl.,
technische u. polit. Fragen. In den 2000er Jahren war er in
verschiedenen Stellungen des Aussenministeriums der Ukraine
tätig, Ministerrat an der ukrain. Botschaft in GB u. bis 2010
Direktor des Departements EU des Aussenministeriums der
Ukraine. Seit
2008 führte er die Verhandlungen mit Brüssel über ein
Assoziierungsabkommen. Anschliessend war er stv.
Aussenminister. Im Juni 2012 wurde Klimkin per Dekret des
Präsidenten der Ukraine zum Ao. u. bevollmächtigten
Botschafter der Ukraine in der BRD ernannt. Für diese
Ernennung waren seine hervorragenden Deutschkenntnisse von
Bedeutung. Als Botschafter pflegte er ausgiebig den Kontakt
mit dt. Beamten, Abgeordneten u. Journalisten, um der Öffentlichkeit den
ukrain. Standpunkt deutsch u. deutlich darzulegen. Sein
profesionelles wie engagiertes, aber auch besonnenes,
analytisches u. intelligentes Auftreten u. seine guten
Kenntnisse der dt. u. engl. Sprache trugen zu seiner
Beliebtheit in polit. u. Medienkreisen bei. Laut
einigen Journalisten habe Klimkin, als er die Ukraine in
Deutschland vertrat, deren damaliger Präsident s. Viktor
Janukovych war, einen nüchternen Geist u. eine gesunde Skepsis
gegenüber dem damaligen Staatsoberhaupt. bewahrt.
Klimkin schreckte aber auch nicht davor zurpück, Deutschland
eine veraltete Vorstellung über die Ukraine
vorzuwerfen, z.B.
dass die Krym oder gar die ganze Ukraine irgendwie zu Russland gehörten,
weil sie Teil der Sowjetunion waren. Nach dem
Machtwechsel in der Ukraine im Feb. 2014 wurde im Land
eine Politik gestartet, um es von der sowjet. Vergangenheit
zu "reinigen“, ein Thema, das von Klimkin, ab Juni 2014
Aussenminister der Ukraine sowie
Mitglied des Nationalen Sicherheits- u.
Verteidigungsrats der Ukraine war wiederholt
aufgegriffenwurde. Klimkin leitete das ukrain.
Verhandlungsteam bei den Gesprächen mit Moskau über
die Umsetzung des von der OSZE vorgelegten
Friedensplans für die Ostukraine. Seine Ernennung als Aussenminister war
nicht unumstritten, da Klimkin nicht davor
zurückschreckte, Russland ständig zu brüskieren. Schon
zu Beginn seiner Arbeit setzte sich Klimkin für die
Anerkennung der sog. selbsternannten u. vom Kreml als
selbständige
Staatsgebilde
anerkannten "Volksrepubliken" von Doneck "DNR“ u.
Lugansk/Luhansk "LNR" als terrorist. Organisationen ein. In
einem Interview bezeichnete er den Abschuss einer Boeing
777 im Donbass im Juli 2014 als "Terrorakt" u. verglich ihn mit
dem Terroranschlag vom 11. Sept. 2001 in den USA. Laut Klimkin
braucht der ukrain. Staat v.a. militär. Hilfe. Der Minister
versicherte auch, dass seine Behörde für Aussenpolitik 2
Kernideen habe, um die nationale Sicherheit der Ukraine zu
gewährleisten. Die erste basiere auf dem Assoziierungsabkommen
zwischen der EU u. der Ukraine u. bestehe in der Bildung sog.
taktischer Kampfgruppen mit verschiedenen Mitgliedstaaten der
Union. Die zweite Idee sei, dass die Ukraine zusammen mit ihren
osteuropäischen Partnern, insbes. Georgien u. Moldawien,
NATO-Verbündete würden, ohne Mitglied des Bündnisses zu werden.
Dabei solle die Erlangung des Status eines "NATO-Verbündeten“
nicht direkt mit dem Beitritt der Ukraine zu dieser Allianz
zusammenhängen. Nach seiner Ernennung zum Aussenminister zog er
viele personelle Veränderungen in seinem Ministerium durch u.
führte strengere Ausbildungsmassnahmen zur Erhöhung der
beruflichen Qualifikation der Diplomaten /die in der Ukraine als
relativ schlecht gilt/ ein. Ferner entschied er sich, sog.
regionale "Hub-Botschaften“ einzuführen, um die Ukraine, die er
als ein wichtiges europäisches Land mit gewissen globalen
Ambitionen sehen wollte, in der gesamten Region besser zu
positionieren. Dabei sollten auch Räume wie China, Südostasien,
Südamerika usw. stärker berücksichtigt werden.
Im März 2015 kündigte er einen persönl. Boykott aller russ.
Medien an, gleichzeitig widerrief das ukrain.
Aussenministerium deren Akkreditierung. In der neuen Regierung Hrojsman behielt Klimkin das
Amt des Aussenministers der Ukraine. In dieser Position setzte
er sich für Bestrafung derjenigen Firmen ein, die versuchten,
Sanktionen gegen Russland zu umgehen, die infolge der
Krym-Annexion verhängt wurden, u. nahm auch die dt.
Unternehmen "Volkswagen" u. "Adidas" wegen ihrer Tätigkeit auf
der Krym nicht aus. 2016 sagte Klimkin, dass er trotz der
akituellen Spannungen mit Moskau am Minsker Friedensplan
festhalten wolle u. forderte ein internationales Gesprächsformat
über die Krym. Im
Jan. 2018 äusserte sich Klimkin fassungslos darüber, dass im
Zentrum von Kiev der anlässlich des 60. Jahrestags der
Gründung der UdSSR aufgestellte Freiheitsbogen des ukrain. Volkes noch
nicht abgebaut worden war. Klimkins diesbezügl. Erklärung
wurde von der offiziellen Vertreterin des Aussenministeriums
RF, s. Marija Zakharova, kritisiert. 2022
ordnete Bürgermeister s. Vitalij Klychko
die Demontage der Bronzeskulptur an u. regte die Umwidmung
des Denkmals in einen ukrain. Freiheitsbogen an.
Nachdem Klimkin 2018 auf "Twitter"
behauptet hatte, dass die Donkosaken in Beziehung zur Ukraine
stünden, antwortete Kosakengeneral s. Viktor Vodolackij,
Abgeordneter der Staatsduma RF u. ehem. Ataman der
Grossen-Don-Armee, in einer Zeitung, dass Klimkins „Vermutungen
u. Märchen nichts mit der wirklichen Geschichte zu tun“ hätten.
Kurz
vor der
Amtseinführung
des
neugewählten ukrain. Präsidenten s.
Volodymyr Zelenskyj im Mai 2019 reichte
Klimkin seinen Rücktritt ein. Die Abstimmung über den
Rücktritt fand im Parlament jedoch nicht die erforderliche
Mehrheit. Darauf reichte
Zelenskyj
einen neuen Versuch ein, diesmal mit der Resolution, Vadym
Prystajko zum
neuen Aussenminister zu ernennen.
Hintergrund des Rücktritts Klimkins war ein Konflikt mit
Präsident Zelenskyj im Zusammenhang mit dem Schicksal der von
den russ. Behörden während des Grenzkonflikts in der Strasse von Kertsch
festgenommenen Seeleuten. Im Juli sagte Klimkin gegenüber
Reportern, er habe das Angebot von s. Petro Poroshenko
abgelehnt, der Partei "Europäische Solidarität" beizutreten u.
mit ihr für die Verkhovna Rada zu kandidieren.
2019 veröffentlichte Klimkin auf einer tschechischen Website
einen Artikel über die Geschichte der Krym, in dem sich der Chef
des ukrain. Aussenministeriums bemühte, den „Mythos der russ.
Krym" zu widerlegen. Dabei erklärte er die Krymtataren zum
Urvolk der Halbinsel u. betonte, dass „ausser Kriegsgefangener
keine Russen auf der Halbinsel waren". Um die „Krym von der
einheimischen Bevölkerung zu säubern u. durch ethnische Russen
zu ersetzen", sei 1944 die Deportation der Krymtataren
durchgeführt worden. Gleichzeitig erwähnte Klimkin auch die
Vertreibung der Griechen, Bulgaren u. Armenier von der
Halbinsel. „Menschen aus ganz Russland begannen massiv auf die
Krym zu ziehen" u. hätten sich in den Häusern der deportierten
Bevölkerung niedergelassen, so dass es sich bei den Neusiedlern
um „russ. Kolonisten“ gehandelt habe. Im Unterschied zu den
modernen Staaten Polen, Lettland, Litauen, Estland u. Finnland,
deren Gebiete zu verschiedenen Zeiten Teil des Russ. Reiches
wurden, um die dortigen Völker zu versklaven, sei es den
Krymtataren, die 1783 Teil Russlands wurden, nach dem
Zusammenbruch des Russ. Reichs 1917 nicht gelungen, ihre
Unabhängigkeit aufrechtzuerhalten. Die Krym sei wie die Ukraine
von den Bolschewiken erobert worden u. Teil desselben russ.
Reichs geblieben, das fortan UdSSR genannt wurde. Die Gewährung
der Autonomie der Krym durch das bolschewist. Moskau im Jahr
1921 als Teil der RSFSR habe laut Klimkin „der objektiven
Realität" widersprochen, da die Krym geografisch zur Ukraine
gehöre u. Russland in keiner Weise territorial mit ihr verbunden
sei. Laut Klimkin habe die Übergabe des Krymgebiets von der
RSFSR an die Ukrain. SSR 1954 nicht gegen sowjet. Recht
verstossen, u. daher sei „der russ. Mythos, dass der dumme
Chruschtschov die Krym willkürlich der Ukraine gegeben hat, eine
glatte Lüge“. Ausserdem äusserte sich Klimkin aus ukrain. Sicht
kritisch u. vielleicht etwas unglücklich über heikle u.
umstrittene Episoden der histor. polnisch-ukrain. Beziehungen in
der Bandera- u. Pi³sudski-Zeit,
wofür er von gewissen Polen, die ihn als Analphabeten
schimpften, prompt Kritik erntete.
In seinem Artikel für die uruguayische Zeitung betrachtete
Klimkin die Ukraine als histor. Nachfolgerin der Kiever Rus. Die Ukraine habe Europa vor
der Eroberung durch die Tataren-Mongolen u. das Osmanische Reich
gerettet u. seiner Meinung nach im Laufe der Geschichte eine
„wichtige Rolle bei der Gestaltung Europas u. seiner Werte“
gespielt. Aus demselben Artikel folgte, dass wegen der
Identifizierung der Ukraine mit der Kiever Rus Russland u.
Weissrussland aus der Ukraine hervorgingen. Der 1. stv.
Vorsitzende des Kulturausschusses der Staatsduma RF s. Vladimir
Bortko bezeichnete die Aussage Klimkins über die Herkunft dieser
drei Völker als „Wahnsinn“ u. erinnerte daran, dass die
„Ukraine, Russland u. Weissrussland ein u. dasselbe Volk sei,
das aus der Kiever Rus kam".
Als die Staatsduma RF 2019 begann, die angeblichen Verluste zu
berechnen, die die Krym während ihrer 23-jährigen Zugehörigkeit
zur Ukraine erlitten hatte, zog Klimkin in Erwägung, von
Russland eine Entschädigung für die jahrhundertelange
„Besatzung“ der Ukraine zu fordern. Im März schrieb er erstmals
auf "Facebook" darüber, u. im April erklärte er in einem
TV-Sender, Kiev könne von Russland „eine Entschädigung für die
jahrhundertelange Besatzung“ verlangen. Darauf reagierte die
MID-Sprecherin s. Marija Zakharova mit gewohntem Sarkasmus,
indem sie zur Sprache brachte, ob der Chef des ukrain.
Aussenministeriums sich entsprechenden Tests unterzogen habe.
Klimkin bleibt wohl v.a. wegen seiner
pointierten Äusserungen über die Sowjetzeit, über Russland
u.a. Themen in Erinnerung, die auch die plausible
Rechtfertigung der Existenz der Ukraine beinhalten. Beim
Jahreswechsel 2019 äusserte Klimkin seine Unzufriedenheit
darüber, dass im ukrain. TV zu viele sowjet. Filme
ausgestrahlt würden u. forderte ihre Reduktion. Die UdSSR
bezeichnete er als ein Imperium aus einer Mischung aus
Moskauer Zarenreich, Absolutismus u. sektiererischem
Kommunismus. Die Oktoberrevolution habe ein mutiertes Imperium
geschaffen. Aufgrund dieser Traditionen stellte er
eine Verbindung zwischen Ivan dem Schrecklichen, der kein
Kommunist war, u. Stalin her, der sich von derselben Logik habe
leiten lassen. Als eine 2019 unter Russen durchgeführte Umfrage
des Moskauer Levada-Zentrums die erhebliche Zustimmung zu
Stalins Rolle in der Geschichte des Landes zeigte,
interpretierte Klimkin die Ergebnisse der Umfrage als Beweis für
eine „zombifizierte u. entmenschlichte russ.
Gegenwartsgesellschaft“ - eine gesunde Gesellschaft u. normale
Menschen würden keinen „paranoiden Tyrannen" bewundern. In einer
uruguayischen Zeitung sprach Klimkin über den „kommunist.
Totalitarismus“ u. dessen Rolle für das „historische Trauma“ des
ukrain. Volkes. Ausserdem äusserte er sich negativ über die GUS, die
es in der Realität gar nie geben werde, denn sie sei nur durch
die Vergangenheit in der Sowjetunion vereint. Freie Menschen
hätten da nichts zu suchen. Während in Russland 75% der Bürger
den Zusammenbruch der UdSSR bedauerten, träume er davon, dass
künftige ukrain. Kinder nicht mehr danach fragen werden, so wie
etwa die Kroaten sich nicht mehr an die österreich.-ungar.
Monarchie erinnern wollten.
Laut dem ehem. Präsidenten Georgiens u. Oberhaupt des
Gebiets Odessa, s. Mikheil Saakaschwili, „ist Pavel Klimkin
kein ethnischer Ukrainer, sondern Russe“ u. „spricht
schlechter Ukrainisch als ich“. Wie die Journalisten des
ukrain. Dienstes der BBC feststellen, stand auf dem
Militärpass des Ministers, dass er Russe der Nationalität
nach sei. Von der russ. Seite dürfte Klimkin, der in Kursk,
Russland, geboren wurde, als ein harter Protagonist des
ukrain. Nationalismus eingestuft worden sein. Nach Beginn
des von Putin im
Feb. 2022 entfesselten russ. Angriffskriegs gegen die Ukraine
meinte Klimkin im Juni 2022, dass Putin nicht stark
genug für einen Angriff auf die Ukraine gewesen wäre, wenn
man die Ukraine nach 2008 in die NATO geholt hätte.
Ehefrauen: Klimkins
1. Ehefrau arbeitete als 1. Sekretärin der ukrain.
Botschaft in NL. Seine 2. Ehefrau /seit 2015/ Marina
Mikhajlenko ist
ebenfalls eine ukrain. Diplomatin, Absolventin des
Instituts für Internationale Beziehungen der Taras
Shevchenko-Staatsuniversität Kyiv, Fakultät für
Wirtschaftswissenschaften, Kandidat der
Geschichtswissenschaften, die lange Zeit bei der Botschaft
der Ukraine in Italien als Beraterin u. Presseattaché
arbeitete. Einige Zeit bekleidete sie die Position der
Direktorin der 2. Europaabteilung des Aussenministeriums
der Ukraine. Sie war Teil der offiziellen ukrain.
Delegation bei der 70. UN-Generalversammlung von 2015, wo
die Delegation von Aussenminister Pavlo Klimkin geleitet
wurde. Im Juli 2019 wurde sie von ihrem Posten als stv.
Leiterin des Hauptdepartements für Aussenpolitik u.
europäische Integration u. Leiterin des Departements für
Aussenpolitik der Verwaltung des Präsidenten der Ukraine
entlassen. Seit Feb. 2023 ist sie Ao. u. bevollmächtigte
Botschafterin der Ukraine in Portugal. Ihr
Vater u. Schwiegervater Klimkins, Jurij Mykhajlenko, ist
General der Streitkräfte RF, der mit der Medaille "Für die
Rückkehr der Krym“ ausgezeichnet wurde. Wie
Marina Mikhajlenko auf ihrer "Facebook"-Seite festhielt,
werde sie ihren Vater deswegen nicht aufgeben, obwohl sie
seit einiger Zeit nicht mehr mit ihm gesprochen habe. Sie
bedauerte die Tatsache, dass die russ. Aggression nicht
nur Häuser, sondern auch langjährige Freundschaften u.
Familien auf verschiedenen Seiten der Barrikaden zerstöre.
Dies sei die Tragödie vieler ukrain. Familien, u. jede von
ihnen müsse diesen Schmerz persönlich erfahren. Sie sei
sich dessen bewusst, dass sie u. ihre Familie in diesem
Informationskrieg aktiv gegen ihren Ehemann verwendet
werden könnten, denn es sei klar, dass seine berufliche
Tätigkeit u. sein Patriotismus für gewisse Leute sehr
hinderlich seien.)
KLINCEVICH, Franc Adamovich 2010-:
II III IV V VI VII VIII IX X XI XII XIII XIV XV XVI XVII XVIII XIX XX XXI XXII XXIII XXIV XXV XXVI
XXVII
XXVIII XXIX XXX XXXI XXXII XXXIII XXXIV XXXV XXXVI XXXVII XXXVIII XXXIX XL XLI XLII XLIII XLIV XLV XLVI 2015-: II IIIa IIIb IV V VI VII VIII IX X XI XII XIII XIV XV XVI XVII XVIII XIX XX XXI XXII XXIII XXIV XXV XXVI XXVII XXVIII XXIX XXX XXXI XXXII XXXIII XXXIV XXXV XXXVI XXXVII XXXVIII
XXXIX
XL XLI XLII XLIII XLIV XLV
XLVI
XLVII
XLVIII
XLIX L LI LII LIII LIV LV LVI LVII LVIII LVIX LX
LXI
(1957-, ehem. russ. Staatspolitiker.
In der Sowjetzeit arbeitete er
als Lehrer für Zeichnen, Arbeit u. Sport an einer Grundschule
in der Beloruss. SSR, wurde zum Dienst in den Streitkräften
der UdSSR einberufen, absolvierte die Höhere militär.-polit.
Panzerartillerieschule in Sverdlovsk u. wurde nach Abschluss
in der Litauischen SSR u. Moldauischen SSR eingesetzt. Er nahm
an einem Fremdsprachen-Lehrgang
für polit. Offiziere des Verteidigungsministeriums der UdSSR
für die Sprache Dari teil. Im Afghanistankrieg wurde er als polit.
Propaganda-Instruktor in das Kriegsland geschickt. 1991
absolvierte er die nach Lenin benannte Militärpolit. Akademie.
Aktiver Wehrdienst bis 1997. Oberst der Reserve. 1990 stv.
Vorsitzender, seit 1995 Vorsitzender der Russ. Union der Afghanistan-Veteranen.
Ab 1992 ist er in Moskau ansässig, wo er zunächst leitender
Spezialist der Regierungskommission für den sozialen Schutz
des Militärpersonals, dann leitender Offizier im Kommando des
Kommandanten der Luftlandetruppen war.
Politik, Mitglied der Staatsduma RF:
1995 kandidierte er erfolglos bei den Wahlen zur 2. Staatsduma RF auf der Liste des
Blocks "Für das Vaterland!", der die 5%-Hürde nicht überwand.
Im Dez. 1999 wurde er bei den Wahlen zur 3. Staatsduma RF auf der Liste des
Wahlblocks "Einheit" als Abgeordneter gewählt, der die "Patriot.
Volkspartei Russlands" vertrat u. Mitglied des Duma-Ausschusses
für Arbeit u. Sozialpolitik war. 2000 wurde er Vorsitzender der
Moskauer Stadtorganisation des Wahlblocks "Einheit". 2001 wurde
er Mitglied des Präsidiums des Generalrats der Partei "Einiges Russland". Mit Klincevichs Namen
ist in dieser Zeit ein Lobbying-Skandal im Lebensmittelbereich
verbunden - der Fall Voronenkov-Novikov, der im russ. Wikipedia
detaillierte beschriben ist. 2001
verteidigte Klincevich an der Russ. Akademie für öffentl.
Verwaltung beim Präsidenten RF seine Doktorarbeit zum Thema
"Persönl. u. psycholog. Merkmale von Russen mit niedrigem u.
hohem Einkommensniveau“. 2002 war er Regionalsekretär der
Partei "Einiges Russland" in Tschetschenien. Bei den Wahlen
zur
4. Staatsduma RF 2003 kandidierte Klincevich auf der
Liste der Partei "Einiges Russland“ der kaukas. Gruppe
/Republiken Dagestan, Inguschetien, Karatschaj-Tscherkessien
u. Tschetschenien/ u. wurde mit 6 anderen Kandidaten als
Abgeordneter gewählt. In der Duma war er stv. Vorsitzender der
Fraktion der Partei "Einiges Russland“ u. Mitglied des
Verteidigungsausschusses. 2004 schloss er die Fakultät für
Umschulung u. Weiterbildung der Militärakademie des
Generalstabs der Streitkräfte RF ab. Im Dez. 2007 wurde er in
die
5. Staatsduma RF gewählt. Dort wurde er zum 1. stv.
Vorsitzenden des Ausschusses für Veteranenangelegenheiten
ernannt. Ab 2008 war er Vorsitzender des Zentralen
Koordinierungsrats der Anhänger der Partei "Einiges Russland"
u. Leiter der Republiks-Sektion Tschetscheniens dieser Partei.
Bei den Wahlen zur 6. Staatsduma RF
vom Dez. 2011 kandidierte er als Vertreter der Partei "Einiges
Russland" für das Gebiet Smolensk u. erhielt als Einziger von
4 Kandidaten ein Abgeordnetemandat. In dieser Duma war
Klincevich stv. Vorsitzender des Verteidigungsausschusses u.
Mitglied der Kommission für rechtliche Unterstützung der
Entwicklung von Organisationen des militär.-industriellen
Komplexes Russlands. 2014, im Jahr der Annexion der Krym durch Russland, sagte
er, dass Russland gezwungen sein werde, die Grenzen für viele Güter zu schliessen
u. meinte damit Europa u. die Ukraine. Im Dez. ergriff er die
Initiative, die Entscheidungen des Kongresses der
Volksdeputierten der UdSSR von 1989 überprüfen zu lassen u.
verurteilte die Entscheidung, sowjet. Truppen nach Afghanistan
zu entsenden. Gleichzeitig gab er seine Absicht bekannt,
Waffenlieferungen an die selbsternannten "Volksrepubliken" von
Doneck u. Lugansk/Luhansk anzubieten, falls die USA solche an
die Ukraine aufnehmen sollten. In der Duma äusserte er sich im
Jan. 2015 unverblümt über die aktuelle Lage. in der sich
Russland befand: „Man" habe Russland einen Informations-,
Wirtschafts- u. Finanzkrieg erklärt, den man mit
Atomwaffen aber nicht gewinnen könne.
Als Parlamentarier trat Klincevich als rabiater, reaktionärer
Hardliner der Partei "Einiges Russland" im Sinne der Narrative
des Kremls in Erscheinung, der v.a. die Interessen des
Militärs u. der Veteranen vertrat /was sein gutes Recht war/.
Bei den gesetzgeberischen Initiativen war er im Feb. 2015
Mitautor von Gesetzesänderungen, die es dem Staat erlauben
sollten, den Bürgern eine Vorladung zum Wehrdienst per
Einschreiben zuzustellen, während denjenigen, die sich dem
Wehrdienst entziehen, 5 Jahre lang verboten wurde, das Land zu
verlassen, in den öffentl. Dienst einzutreten u. in kommunalen
Behörden zu arbeiten. Die Änderungen erhielten die anfängliche
Zustimmung des Verteidigungsausschusses u. die Unterstützung
der Regierung RF, obwohl in der nachfolgenden Version der Teil
über Einschreiben entfernt wurde. Im Juli 2017 wurde eine
modifizierte Gesetzesvorlage, in der ein entsprechendes
10-jähriges Verbot enthalten war, von der Staatsduma
angenommen u. von Präsident Putin unterzeichnet.
Mitglied des Föderationsrats RF: Per Dekret des
Gouverneurs des Gebiets Smolensk s. Aleksej Ostrovskij wurde
KIincevich im Sept. 2015 als Vertreter der Verwaltung des
Gebiets Smolensk zum Mitglied des Föderationsrats RF ernannt.
Dort wurde der neue Senator Mitglied der Kommission der
Parlamentar. Versammlung der Russ.-Belaruss. Union für Sicherheit,
Verteidigung u. Verbrechensbekämpfung. Gleichfalls wurde er 1.
stv. Vorsitzender des Verteidigungs- u. Sicherheitsausschusses
des Föderationsrats RF. Laut RBK war seine Ernennung
Teil der Vereinbarung zwischen den Parteien "Einiges Russland"
u. "LDPR"; im Gegenzug sollte die Kremlpartei darauf verzichten,
bei der nächsten Gouverneurswahl in Smolensk mit ihrem
Kandidaten gegen den "LDPR"-Politiker Aleksej Ostrovskij
anzutreten.
Der Abgang Klincevichs als 1. stv. Vorsitzender des
Verteidigungs- u. Sicherheitsausschuss des Föderationsrats RF im
Feb. 2018 war laut der Zeitung Vedomosti mit dem
Umstand verbunden, dass das Verteidigungsministerium RF mit den
Äusserungen des Politikers, die nicht immer der offiziellen
Linie des Ministeriums entsprachen, unzufrieden war. Klincevich
nannte insbesondere die Annexion der Krym durch Russland von
2014 eine voreilige u. kurzsichtige Entscheidung, die gegen die
Normen des Völkerrechts verstossen habe, weshalb „unsere
Nachkommen dafür noch lange bezahlen müssen“. Für einen
prominenten Politiker von Putins quasi unfehlbaren
"Regierungspartei" war dies eine aussergewöhnliche u. mutige
Stellungnahme. Dies bedeutete jedoch keineswegs, dass Klincevich
ein Sympathisant der "abtrünnigen" Ukraine wäre. Im Gegenteil
blieb er ihr gegenüber äusserst feindselig eingestellt u.
vertritt die Auffassung, dass eine nicht zu Russland gehörende
Ukraine nicht erfolgreich sein werde u. ein Beitritt der Ukraine
zur NATO u. zu Europa die Beziehungen Russlands zu ihr komplett
verändern würde. Ausserdem ist Klincevich ein Anhänger des
offiziellen russ. Staatsnarrativs, dass im Donbass ein Genozid
gegen das russ. Volk stattfinde. Seine kremlkompatiblen
Meinungen gibt er skrupellos u. medienwirksam etwa in der
berüchtigten Sendung v. Vladimir Solovjovs zum Besten. Im Sept.
2020 wurden Klincevichs Befugnisse als Senator per Dekret des
Gouverneurs des Gebiets Smolensk, desselben Aleksej Ostrovskij,
beendet, wobei die Abgeordnete der Gebietsduma Nina Kulikovskikh
seine Nachfolge antrat.
Klincevich ist Träger des Aleksandr-Nevskij-Ordens.
Weitere kleinere oder grössere Skandale, mit denen Klincevichs
Name verbunden sind, werden vom dt. u. russ. Wikipedia
festgehalten.
2012 kündigte Klincevich seine
Absicht an, Hitlers Geburtshaus in Braunau für
über 2 Mln. Euro zu kaufen, um es später abzureissen.
2016 meinte er, Russland solle den Eurovision Song Contest 2017 boykottieren,
da die Ukraine den ESC des vorigen Jahres
„nur aus polit. Gründen gewonnen u. Russland den Sieg
gestohlen“ habe.
2017
verglich er die Ukraine mit der Hexe Baba-Jaga.
Klincevich war der Ansicht, dass dort, wo die Demokratie herrscht, nur das Chaos herrscht.
Als
in der Sendung "60 Minuten" des "1. Kanals" ein ukrain.
Diplomat sich weigerte, aufzustehen, um den Opfern einer über
dem Schwarzen Meer verunglückten russ. Tupolev-Maschine zu
gedenken, wurde er von Klincevich kuzerhand ergriffen u. aus dem Studio
hinausgeführt. Sanktionen:
Als öffentl.
Persönlichkeit, die die demokrat. Prozesse
souveräner Staaten öffentlich kritisiert u. sich in diese
einmischte, wurde Klincevich auf die Sanktionsliste
verschiedener Länder gesetzt, so im Juni 2018 auf diejenige
der Ukraine. 2022 kommentierte der Kaukasus-Kenner die
militär. Eskalation in Berg-Karabach.
Familie: Das Vermögen der Familie Klincevich, die
Immobilien in Südeuropa u. auf den Ägäisinseln besitzen
soll, wird auf 200 Mln. USD geschätzt. Sohn Andrej,
Absolvent der Suvorov-Militärschule in Tver u. der
Militäruniversität des Verteidigungsministeriums RF, diente
bei den Luftstreitkräften, arbeitete in ausländ.
Institutionen, war stv. Generaldirektor für
Aussenwirtschaftsbeziehungen einer Firma u. dann in
verschiedenen Stellungen für das Büro des Bevollmächtigten
Vertreters des Präsidenten RF im Föderationskreis Volga u.
als Kurator der militär.-patriot. Programme der "Jungen
Garde" der Partei "Einiges Russland" tätig. Sowohl die
Ehefrau wie die Tochter Klincevichs, die die
Staatsbürgerschaft der Republik Zypern besitzt, hatten
beruflich mit der Staatsduma zu tun.)
KLISHAS, Andrej Aleksandrovich
II III
IV
V
VI VII VIII IX X XI XII XIII XIV XV XVI XVII XVIII XIX (1972-,
russ. Jurist, ehem. Firmenleiter, akadem. Beamter u.
Staatspolitiker/Senator jüdischer Herkunft. Nach abgebrochenem
Studium der Geschichte
der Philosophie an der Fakultät für Philosophie der
Staatsuniversität des Urals in Sverdlovsk/Ekaterinburg zog er
nach Moskau um, wo er in die Fakultät für Wirtschaft u. Recht
der Universität der Völkerfreundschaft Russlands RUDN eintrat,
die er mit einem Bachelor
in Rechtswissenschaften abschloss u. später das Master-Programm absolvierte.
Gleichzeitig studierte dort auch s. Aleksej Navalnyj. Parallel
zu seinem Studium bekleidete er in der 2. Hälfte der 1990er
Jahre verschiedene Positionen im Russ. Fonds für das
Bundesvermögen. 1997-8 war Klishas stv. Leiter der
Rechtsabteilung der "ONEXIM Bank", einer 1993 in Moskau
gegründeten russ. Aktienhandelsbank, die 2000 mit "Rosbank"
fusioniert wurde. 1998-2010 war er Direktor für
Rechtsangelegenheiten, stv. Generaldirektor, Generaldirektor,
Vorstandsvorsitzender u. Vizepräsident von "Interros",
einer russ. Holding-Gesellschaft
mit Sitz in Moskau,
deren Präsident s. Vladimir Potanin ist
/2008
zusammen mit s. Mikhail
Prokhorov/, ein Hauptaktionär von "Norilsk Nickel". 2001-8
war Klishas Vorstandsvorsitzender des berühmten russ. Bergbau-
u. Metallurgieunternehmens "Norilsk Nickel", heute "Nornickel", u.
ab 2008 Mitglied des Verwaltungsrats. 2010 wurde er zum
Präsidenten von "Nornickel" ernannt. 2001-12 arbeitete er als
Lehrer, Dozent u. ao. Professor am Lehrstuhl für Verfassungs-
u. Kommunalrecht der Jurist. Fakultät seiner Alma Mater, der "RUDN". 2012 übernahm er die Leitung
dieses Lehrstuhls - später in Lehrstuhl für Verfassungsrecht
u. -verfahren umgewandelt. 2002 verteidigte er an der Moskauer
Universität des Innenministeriums RF seine Dissertation zum
Thema "Das Amparo-Verfahren als Form der Verfassungskontrolle
in Mexiko“ zur
Erlangung des akadem. Grads eines Kandidaten für
Rechtswissenschaften. 2008 verteidigte er an
derselben Universität seine Dissertation zur Erlangung des
akadem. Grads eines Doktors der Rechtswissenschaften zum Thema
"Verfassungskontrolle u. Verfassungsgerichtsbarkeit im
Ausland“. Als 2014 die Jurist. Fakultät der Universität in das
Jurist. Institut umgewandelt wurde, wurde Klishas zum
wissenschaftl. Direktor des Instituts ernannt. Im Juli 2016
wurde er zum Leiter des neu gebildeten Lehrstuhls für Rechts-
u. Staatstheorie ernannt.
Politik: Im Herbst 2011 wurde Klishas bei den Wahlen
zur 6. Staatsduma RF auf der Liste der Partei "Einiges
Russland" aufgestellt, jedoch nicht zum Abgeordneten gewählt.
Im März 2012 wurde Klishas bei den Wahlen der Abgeordneten des
Stadtrats von Norilsk auf der Liste der Partei "Einiges
Russland“ Mitglied des Abgeordnetenrats der Stadt Norilsk.
Dies ermöglichte ihm, einen Sitz im Föderationsrat RF zu
beanspruchen. Im gleichen Monat ernannte der Gouverneur des
Krasnojarsker Landes, s. Lev Kuznecov, Andrej Klishas zum
Vertreter der Regierung des Krasnojarsker Landes im Föderationsrat RF. Seither ist der
Senator dort Vorsitzender des Ausschusses für
Verfassungsgesetzgebung u. Staatsaufbau. Ausserdem ist er
Bevollmächtigter Vertreter des Föderationsrats beim
Verfassungsgericht u. bei der Generalstaatsanwaltschaft
RF. Im Zusammenhang mit dieser Ernennung verliess Klishas
das Amt des Präsidenten von "Norilsk Nickel". Im April 2017
bestätigte das Präsidium des Generalrats der Partei "Einiges
Russland" Klishas als Vorsitzenden der "liberalen Plattform"
/sic/ der Partei. Im Rahmen der gesetzgeberischen Tätigkeit
wirkte Klishas bei insgesamt 99 Gesetzgebungsinitiativen mit,
darunter beim Gesetz über die Bestrafung der Schändung der
Flagge u. Hymne, beim Gesetz über die Verbreitung von falschen
Informationen, beim Gesetz über das "souveräne Internet“, beim
Mediengesetz über die "ausländ. Agenten", beim Gesetz
über die Verpflichtung der Bürger RF, die Bürgerschaft eines
fremden Staates mitzuteilen, beim Gesetz über die Verschärfung
der Strafbarkeit für Aufrufe zum Separatismus, u.a. Wegen seiner Unterstützung zahlreicher
repressiver Gesetzentwürfe der Staatsduma wurde Klishas auf
die vom "Forum Freies Russland" geführte "Putin-Liste" gesetzt. 2020 fungierte er
als Co-Vorsitzender der vom Präsidenten RF eingesetzten
Arbeitsgruppe für die Ausarbeitung von Vorschlägen zur
Änderung der Verfassung RF. Klishas ist Träger
zahlreicher russ. staatl. u. kirchlicher Orden, so des Ordens
"Für Verdienste um das Vaterland" für einen grossen Beitrag zur
Entwicklung des Parlamentarismus u. der aktiven Gesetzgebung,
des Ordens der Freundschaft für Verdienste um die Stärkung der
russ. Staatlichkeit u. der Entwicklung des Parlamentarismus, des
Ehrentitels "Verdienter Anwalt der RF", der Medaille "Für die
Rückkehr der Krym", eines "Dankesschreibens des Präsidenten RF"
für die aktive Teilnahme an der Vorbereitung u. Durchführung der
Wahl des Präsidenten RF 2018, je einer Medaille des
Föderationsrats, des Ermittlungskomitees RF u. des
Bundesgefängnisdienstes sowie dreier Orden der Russ.-Orthodoxen
Kirche, u.a.
Einkommen/Eigentum u. Korruptionsvorwürfe:
2012 belegte Klishas mit einem deklarierten Familieneinkommen
von 284 Mln. Rubel den 29. Platz in dem vom Magazin Forbes
zusammengestellten Rating über das Einkommen russ. Beamter.
Ausser Immobilien besitzt Klishas laut
"FBK" er eine Uhrensammlung mit einem geschätzten Wert
von über 163 Mln. Rubel. In der Schweiz besitzt er laut Vedomosti
ein grösseres Wohneigentum, in Russland verschiedene grössere
Grundstücke. Die "FBK" warf Klishas vor, während der Privatisierung in den 1990er Jahren
Manipulationen betrieben zu
haben, eine
Offshore-Firma zu besitzen u.
den
Besitz einer Immobilie, nämlich diejenige in der Schweiz,
verschwiegen zu haben.
Sanktionen: Nach der Annexion der
Krym durch Russland verhängte der US-Präsident im März 2014
Visa- u. Wirtschaftssanktionen gegen Klishas, darunter ein
Besuchsverbot für die USA u. die Sperrung von Eigentum u. Konten
in den USA. Als Grund wurde Klishas Haltung während der
Krymkrise angegeben. Gleichzeitig wurden ähnliche Sanktionen
gegen Klishas von der EU, von Kanada u. später von Australien
mit der Begründung verhängt, dass er im Föderationsrat RF im
März 2014 öffentlich den Einsatz russ. Truppen in der
Ukraine unterstützt u. versucht habe, die russ.
Militärintervention in der Ukraine zu rechtfertigen. Im April
2020 wurde er auf die Sanktionensliste der Schweiz gesetzt. Im Zusammenhang mit dem
von Putin im Feb. 2022
entfesselten russ. Angriffskrieg gegen die
Ukraine
steht Klishas seit März auf der EU-Sanktionsliste u. wurde
später auch auf die Sanktionlisten Neuseelands, der Ukraine,
Grossbritanniens u. der USA gesetzt, weil er als Senator für die
entsprechenden Gesetzesvorlagen in der Staatsduma stimmte, die
zur russ. Invasion in der Ukraine führten. Im Mai 2022 wurde die
Schweizer Villa Klishas am Lago Maggiore,
die er 2008 erwarb, durch das SECO
"eingefroren".)
KLUBKOV, Jurij Vasilevich II (1970-, russ. Richter am Zentralen Militärgericht des Bezirks
/Volga-Ural/. Nach 3-jähriger Amtszeit als Richter am
Militärgericht der Garnison Kjakhta wurde er 2004 zum Richter
am Militärgericht der Garnison Saratov ernannt. 2012
avancierte er zum Richter am Militärgericht des Volga-Bezirks.
2019 wurde er im Zuge der Umstrukturierung des Militärgerichts
des Volga-Bezirks zum Richter am Zentralen Militärgericht des
Volga-Bezirks ernannt. Vom "Forum Freies Russland", das die
sog. "Putin-Liste" führt, wird Klubkov Umsetzung polit.
Repression unter Ausnutzung seiner offiziellen Position
vorgeworfen. Richter Klubkov wurde berühmt u. berüchtigt für
seine brutale Verurteilung von sehr wahrscheinlich harmlosen
u. unschuldigen Bürgern im politisch motivierten Fall "Netzwerk" von Penza, von dem die
Öffentlichkeit erst im Feb. 2020 erfuhr. Es handelte
sich um den Prozess gegen eine angeblich regierungsfeindliche
linksanarchist. "Organisation", die 2015-17 in Russland agiert
haben soll u. deren mutmasslichen "Mitglieder“ 2017 festgenommen
u. im Feb. 2020 vom Zentralen Militärgericht
des Volga-Bezirks in Penza zu extrem hohen
Gefängnisstrafen von 6 bis 18 Jahren verurteilt wurden, indem diese Angeklagten der Gründung einer
Terrororganisation für schuldig befunden wurden. Den
Ermittlern zufolge gründeten sie Zellen in Penza, St.
Petersburg, Moskau u. Weissrussland, um vor der
Präsidentschaftswahl u. der Weltmeisterschaft 2018 in Russland
Terroranschläge zu verüben, um damit „die Massen zu
erschüttern u. die polit. Lage im Land weiter zu
destabilisieren“ u. wenn „die Stunde kommen wird einen
bewaffneten Aufstand auszulösen". Dmitrij Pchelincev wurde zu
18 Jahren, Ilja Shakurskij zu 16, Arman Sagynbaev zu 6, Andrej
Chernov zu 14, Vasilij Kuksov zu 9, Mikhail Kulkov zu 10 u.
Maksim Ivankin zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt. Viele von
den Angeklagten gaben an, dass sie ihre Aussagen unter Folter
oder unter Androhung von Folter abgegeben hätten. Der Fall
"Netzwerk“ löste in Russland breite Aufmerksamkeit u. bei
Menschenrechtsorganisationen Entsetzen, Kritik u. Protest aus,
zumal in diesem Strafverfahren bereits im Vorfeld Zweifel an
Klubkovs Unparteilichkeit bestanden. s. Andrej Kolesnikov vom
Moskauer "Carnegie Center" bezeichnete die
"Netzwerk“-Geschichte als „Rückkehr stalinist. Schauprozesse“.
Laut einem Vertreter von "Amnesty International", die
Besorgnis über Folter u.a. Misshandlungen geäussert hatte, um
nach Art des FSB Geständnisse von den Angeklagten zu
erzwingen, habe besagte Organisation selbst gar nie existiert.
Nach Ansicht der Moskauer Gesellschaft "Memorial" war der
gesamte Fall erfunden u. politisch motiviert, während die
Angeklagten als polit. Gefangene bezeichnet wurden. Das
"Forum" erwähnte diesen Gerichtsfall als ein weiteres
typisches Beispiel dafür, um zu zeigen, wie weit sich das
Wesen des Putin-Regimes in Richtung Totalitarismus entwickelt
hatte.)
KLYKOV, Vjacheslav Mikhajlovich
II
III IV V VI VIIa VIIb VIII IX X XI XII XIII XIVa XIVb XV XVI
(1939-2006, gew. sowjet. Bautechniker u. berühmter sowjet./russ.
Bildhauer der religiös verbrämten orthodoxen-nationalpatriot.
Richtung mit kommunist.
Hintergrund. Absolvent des Kursker Bautechnikums. In
den 1960er Jahren studierte er an der Kunstgrafischen Fakultät
des Staatl. Pädagog. Instituts Kursk u. an der Fakultät für
Bildhauerei des nach V.I. Surikov benannten Moskauer Staatl.
Akadem. Kunstinstituts. Seitdem nahm er regelmässig an
Moskauer, nationalen u. internationalen Ausstellungen teil u.
seine Werke wurden/werden in der Tretjakov-Galerie u. im
Staatl. Russ. Museum gezeigt. Seit 1969 war er Mitglied des
Künstlerverbands der UdSSR- Landesweit bekannt wurde er nach
der Gestaltung des nach Natalja Sac benannten Zentralen
Kindermusiktheaters /1979/ u. der Schaffung einer Skulptur des Handelsgottes Merkur am
Internationalen Handelszentrum in Moskau /1982/. In der 2.
Hälfte der 1980er Jahre wandte er sich in seinem Werk
orthodoxen-nationalpatriot. Themen zu, u.a. mit der Schaffung
eines Denkmals für den Hl. Sergius von Radonezh. Aber die
Behörden verboten seine Errichtung. Einige Monate später, Ende
Mai 1988, konnte das geplante Denkmal im Dorf Gorodok in der Nähe der
Dreifaltigkeits-Sergius-Lavra enthüllt werden /II III/. In der Mitte der 1990er Jahre
entstand Klykovs Denkmal aus Bronze u. Granit für Marschall Zhukov am Moskauer
Manege-Platz im Stil des sozialist. Realismus. In der
Putinzeit erlebte die Arbeit Klykovs eine neue Hochkonjunktur
- es wurden zahlreiche Werke des Künstlers geschaffen u.
errichtet: so ein Denkmal für Marschall K.K. Rokossovskij u. für Aleksandr Nevskij in Kursk, ein Denkmal
für Fjodor Dostoevskij in Staraja Russa,
Gebiet Novgorod, für Fürstin Olga in Pskov, für Aleksandr Kolchak in Irkutsk, für den
Schriftsteller Vasilij Shukshin in dessen Heimat im Dorf
Srostki, Altajskij kraj, je ein Denkmal für Svjatoslav Igorevich im Dorf Kholki,
Gebiet Belgorod, u. in Zaporozhe/Zaporizhzhja, Ukraine, sowie
ein Denkmal für Georg den Siegreichen in Rjazan /II/, für den Hl. Seraphim von Sarov in Sarov, Gebiet
Nizhnij Novgorod, für Aleksandr Pushkin in Tiraspol,
Transnistrien, für Dmitrij Donskoj in Moskau, für russ.
Soldaten in Piräus, Griechenland, u.v.a.m. /Liste s. russ.
Wikipedia-Seite/. Der Preisträger des Staatspreises der UdSSR
u. Volkskünstler der RF war Präsident der "Internationalen
Stiftung für slavische Literatur u. Kultur", der auch der
Schriftsteller s. Valentin Rasputin angehörte.
Politik: 1990 wollte Klykov Mitglied des
Volksdeputiertenkongresses RSFSR werden, wurde jedoch nicht
gewählt. 1995 wurde er zum Mitglied des Nationalkomitees der
sozialpatriot. Bewegung "Derzhava“ von Aleksandr Ruckoj
gewählt, aber er verliess die Bewegung im Aug. wieder. Bei der
Präsidentschaftswahl RF 1996 unterstützte er die Kandidatur
des KPRF-Vorsitzenden s. Gennadij Zjuganov
im Glauben, dass die Kommunisten die Idee der
Wiederherstellung der Monarchie in Russland unterstützen
würden. 1996 wurde er auf dem Gründungskongress der "Patriot.
Volksunion Russlands" zum Präsidiumsmitglied gewählt. Er war
Mitglied der Redaktion der nationalkommunist. Zeitung Den
/Tag/, heute Zavtra, u. Chefredaktor der
Zeitschrift Derzhava. 2005 setzte er sich für die
Wiederbelebung der "Union des russ. Volkes" ein u. wurde zu
ihrem Vorsitzenden gewählt. 2005 unterzeichnete er einen
Aufruf – den "Brief der 5000“ – an die
Generalstaatsanwaltschaft RF, in dem gefordert wurde, jüdische
Religionsgemeinschaften auf angebl. Verstösse gegen das
Extremismusgesetz zu überprüfen. 2006 unterzeichnete er einen
Aufruf, in dem gefordert wurde, Rabbi s. Berl Lazar die russ.
Staatsbürgerschaft zu entziehen. Klykov starb im Juni 2006. In
Kursk, wo das Gedenken an den Bildhauer mit regelmässigen
Veranstaltungen hochgehalten wird, wurde ein Denkmal für ihn selbst
errichtet.)
KLYCHKO (bzw. russ. KLICHKO),
Vitalij Vladimirovich 2008-21: I II III IV V VI VII VIII IX X XIa-Gordon XIb XIc XII XIII XIV XV XVI XVII XVIII XIX XX XXI XXII 2022: II III IV V VI VII VIII IX X XI XII XIII XIV XV XVI XVIa XVIb XVII XVIII XIX XX XXI XXII XXIII XXIV XXV XXVI XXVII XXVIII XXIX XXX XXXI XXXII XXXIII XXXIV XXXV XXXVI XXXVII XXXVIII XXXIX XL XLI XLII XLIIIa XLIIIb XLIIIc XLIV XLV XLVI XLVII XLVIII XLIX L-Lanz LI LII
LIII-Gordon
LIV LV LVI LVII LVIII LIX LX LXI LXII LXIII LXIV LXV LXVI LXVII LXVIII 2023: II III IV V VI VII VIII
IX
X
XI
XII XIII XIV XVa XVb XVI-Lanz 2024: II III IV
Va Vb
VI VII VIII IX X XI 2025:
II (1971-,
ukrain. Sportwissenschaftler,
ehem. internationaler Profiboxer
u. Spitzenpolitiker in Kiev. Sein Urgrossvater u. weitere
Verwandte väterlicherseits litten unter den Repressionen
gegen die ländliche Bevölkerung der Ukraine in den 1920er u.
1930er Jahren, ein Teil der Familie starb während der Hungersnot /Holodomor/. Sein
Urgrossvater u. dessen Familie mütterlicherseits, die
jüdische Wurzeln hatten, wurden während des Holocaust in den 1940er Jahren von den
Deutschen erschossen. Vitalij Klychko selbst wurde in der
Familie eines Militärs, der einer
alten ukrain.-kosakischen Familie
entstammte,
in der Kirgischen SSR geboren.
Sportkarriere u. Ausbildung: Seit
seiner Kindheit praktizierte er verschiedene
Kampfsportarten, bevorzugte jedoch Kickboxen. In dieser
Sportart wurde er 6x Weltmeister. Nach einer
erfolgreichen Karriere im Amateurboxen debütierte er
zeitgleich mit seinem jüngeren Bruder
Vladimir
Klychko
/II
III IV/,
der
Weltmeister im Schwergewicht wurde, im Nov. 1996 im
Profiring. Vitalij
absolvierte ein Studium als Sportlehrer an
der Pädagog. Universität "Hryhorij Skovoroda“
in Perejaslav-Khmelnyckyj mit
Promotion
in Sportwissenschaften an
der Nationalen Universität für Physische
Erziehung u. Sport der Ukraine zur
Erlangung des akadem. Grads eines
Kandidaten der Sportwissenschaften. Klychko
setzte sein Studium fort, absolvierte die Nationale
Akademie für staatl. Verwaltung beim Präsidenten der
Ukraine NAGU u. erwarb den Magistergrad im Fach
"Verwaltung bzw. Management der gesellschaftl. bzw.
öffentl. Entwicklung“.
Politik: Nach seinem Rückzug vom Profiboxsport wurde
Vitalij Klychko in der Ukraine politisch tätig.
Bei den Euromajdan-Protesten
zwischen Nov. 2013 u. Feb. 2014 spielte er eine zentrale
Rolle. Gemeinsam mit
s. Oleh Tjahnybok von der rechtsextremen Partei
"Svoboda" sowie
mit s. Arsenij Jacenjuk von der Allukrain.
Vereinigung "Vaterland“ der
ehem. ukrain. Regierungschefin s. Julija
Tymoshenko bildete
Klychko ein oppositionelles Dreierbündnis, das den Rücktritt
des ukrain. Präsidenten s. Viktor
Janukovych erreichen
wollte. Klychko
wurde dafür kritisiert, dass er sich mit der
rechtsextremen Partei "Svoboda" unter der Führung
von Tjahnybok verbündet
hatte. Klychko verteidigte die Allianz mit dieser Partei,
die angeblich eine antisemit., fremdenfeindlicher u. rassist. Rhetorik
pflege, jedoch mit dem Argument, dass es in der Ukraine
verschiedene polit. u. ideolg. Strömungen gebe, dass man
aber zusammen gegen die heutigen Machthaber kämpfe u.
europäische Werte im Land etablieren wolle. Anfang Feb. 2014 erklärte Klychko an
der 50. Münchner Sicherheitskonferenz die aktuelle
polit. Situation in der Ukraine. Klychko u.
seine Partei
"s" erhielten
Unterstützung u.a. von der dt. Bundeskanzlerin s. Angela
Merkel. Unter Mithilfe der Vermittler
s. Rados³aw Sikorski u.
s. Frank-Walter Steinmeier handelten
Klychko u. die führenden Funktionäre der anderen ukrain.
Oppositionsparteien eine Vereinbarung mit Janukovych aus, die
vorgezogene Neuwahlen u. die Wiedereinsetzung der Verfassung
von 2004 vorsah. 1 Tag nach der Unterzeichnung des Abkommens zwischen
Regierung u. Opposition zur Beilegung der Kreise, wurde
am 22. Feb. 2014 Oleksandr Turchynov
von der Partei "Vaterland" zum neuen
Parlamentspräsidenten gewählt. Unter ihm
stimmte das Parlament mit 328 Ja-Stimmen u. ohne Gegenstimmen
für die Absetzung des Präsidenten Janukovych u. setzte Neuwahlen
für das Amt des Präsidenten für
den 25. Mai 2014 an.
Turchinov wurde vom Parlament zum Interimspräsidenten
bestimmt, bis s. Petro Poroshenko vom ukrain. Volk zum neuen
Präsidenten gewählt wurde. Die Rechtmässigkeit der
konstitutionellen Vorgänge im ukrain. Parlament waren
umstritten u. wurden von Janukovych als rechtswidrig
bezeichnet. Während die Absetzung Janukovychs von ihm u. vom
Kreml als "Staatsstreich" bezeichnet wurde, floh der
Ex-Präsident mit seinen Getreuen nach Russland. Die Legende
vom "faschist. Staatstreich" bzw. "Putsch" in Kiev wurde
integraler Bestandteil der schreierischen Propaganda des
Kremls gegen die Ukraine u. zum unmittelbaren Anlass für die Annexion der Krym im März 2014.
3 Tage nach dem Sturz Janukoychs kündigte Klychko seine
Kandidatur für die Präsidentschaftswahl in der Ukraine 2014 an,
zog sie jedoch Ende März zurück, um die Kandidatur Petro
Poroshenkos zu unterstützen. Gleichzeitig
gab Klychko seine Kandidatur zum Kiever Bürgermeister bei der
Wahl vom 25. Mai 2014 bekannt. Die Wahl gewann
er im 1. Wahlgang mit 57,4% der Stimmen. Zur Wahl vom Okt. 2015
erhielt er im 1. Wahlgang 38,4% der Stimmen u. wurde im 2.
Wahlgang mit 66,5% der Stimmen wiedergewählt.
Bei der Parlamentswahl 2014 zog
Klychko ausserdem über den "Block Petro Poroshenko", mit dem seine
Partei ein Wahlbündnis bildete, als Abgeordneter in die Verkhovna
Rada,
das nationale Parlament der Ukraine, ein. 2015-19
war er zudem Vorsitzender des "Blocks Petro Poroshenko",
in dem seine "UDAR" aufging.
In einem Machtkampf forderte der
ukrain. Präsident s. Volodymyr Zelenskyj Ende
Juli 2019 die Regierung auf,
Klychko als Leiter der Kiever Stadtverwaltung zu entlassen.
Hintergrund des Konflikts war, dass der Kiever Bürgermeister
direkt gewählt, während der Chef der Stadtverwaltung vom
ukrain. Präsidenten in Abstimmung mit der Regierung ernannt
wird. Vorgeschrieben ist auch, dass auch der Chef der
Stadtverwaltung eine gewählte Person u. somit de facto
identisch mit dem Bürgermeister sein muss. Der Leiter der Präsidialverwaltung Andrij
Bohdan behauptete in einer Pressekonferenz
Ende Juli 2019, dass ihm ein Anteil an Korruptionsgeldern in
der Höhe von 20 Mln. USD jährlich angeboten worden sei, wenn
im Gegenzug Klychko nach einer etwaigen Wahlniederlage
Verwaltungschef bleiben dürfe. Ausserdem warf er Klychko vor,
korrupt zu sein, woraufhin dieser Bohdan
beim Nationalen Antikorruptionsbüro anzeigte. Im Nov. 2020
wurde Klychko als Bürgermeister von Kiev wiedergewählt. Am
Tag vor der Wahl gab er bekannt, dass er positiv auf COVID-19 getestet worden sei.
Ukrainekrieg 2022: Im Vorfeld
des von
Putin im Feb. 2022 entfesselten russ. Angriffskriegs gegen die Ukraine kritisierte Klychko die von BK
s. Olaf Scholz geführte Bundesregierung wegen ihrer
zögerlichen Haltung im russ. Ukrainekrieg. Klychko nannte die
Weigerung Deutschlands, der Ukraine Waffen zu liefern, sowie die
Entscheidung, an der dt.-russ. Pipeline "Nord Stream 2" festzuhalten,
„unterlassene Hilfeleistung“ u. „Verrat an Freunden“. Mit
Verweis auf s. Gerhard Schröder u.a.
behauptete Klychko, dass manche Verantwortliche in Deutschland
„in Sachen Russland unter völligem Realitätsverlust“ leiden
würden. Für Altkanzler Schröder forderte er ein
Lobbyismus-Verbot bezüglich Russland. Nach Beginn der russ.
Invasion richtete Klychko einen dramatischen Hilferuf an die Europäer.
Als Bürgermeister von Kiev war Klychko massgeblich bei der "Schlacht um Kiev" an der
Organisation der Verteidigung u. Abwehr beteiligt. In diesem Video erzählte er, wie er den
Kriegsbeginn erlebte. Während des folgenden Ukrainekrieges war
er aufgrund des andauernden russ. Beschusses der Hauptstadt
mittels Raketen u. Drohnen mit der Aufrechterhaltung der
Energie- u. Wasserversorgung der Hauptstadt beschäftigt. Vitalij
Klychko, der recht gut Deutsch spricht, gab Medien in D-A-CH
zahlreiche Interviews, in denen er über seine Arbeit u.
Erfahrungen als Kiever Bürgermeister während des russ. Kriegs
erzählte u. den Westen immer wieder aufforderte u. bat, der
Ukraine mit Geld u. Waffen zu helfen. In einem Interview vom Feb. 2023 sagte er, dass
die Ukrainer nicht von einer russ. Invasion vom Norden her
gerechnet hätten, sondern den Angriff eher aus östl. Richtung
erwarteten. Die Ukraine sei auf diesen Krieg nicht vorbereitet
gewesen, denn man habe gehofft, dass es nicht soweit kommt. Ohne
westliche Hilfe könne die Ukraine aber nicht überleben. Niemand
habe erwartet, dass die Ukrainer so tapfer, mutig, motiviert u.
erfolgreich gegen die Russen kämpfen würden. Die
Waffenlieferungen würden jedoch zu lange dauern. Das Gespräch mit Putin zu suchen, habe keinen
Sinn, denn er sei eine schädliche Person, weil er
entschieden habe, einen Krieg gegen die Ukraine zu führen, u.
die verrückten Gedanken habe, das Sowjetreich wieder zu
errichten. Im Jan. 2023 nahmen die Klychko-Brüder am WEF in Davos teil /II/. Klychko bat die Schweiz um Lieferung von
Verteidigungswaffen. Im Mai 2023 liess Klychko sich in
Kiev mit einer abgeschossenen Kinschal-Rakete filmen.
Vitalij Klychko, der fliessend Deutsch spricht, war ein
Glücksfall für deutschsprachige Medien u. Journalisten, denen er
immer wieder längere Interviews gab, die Aufschluss über sein
Denken gaben.
Kritik / Korruptionsverdachte: Vom Moment seiner Wahl zum
Bürgermeister an wurde Klychko von Unternehmern u. Eigentümern
kleiner Architekturbüros kritisiert, die ihm vorwarfen,
Vertretern des Grosskapitals zu helfen. Parzellen von
städtischen Märkten sollten aufgelöst werden mit der angeblich
vermuteten Absicht, das Eigentum in die Hände von Personen aus
dem Umfeld des Bürgermeisters zu übertragen u. dort
landwirtschaftliche Grosshandelsunternehmen aufzuziehen.
Anfang 2015 begann Klychko, das Thema der Notwendigkeit einer
saubereren Wasserversorgung in der Hauptstadt anzusprechen. In
diesem Zusammenhang vermutete das Portal "Nashi Groshi“, dass
der Bürgermeister für die dt. Marke "Redo Water Systems" werbe.
Im Zusammenhang mit der Teilnahme des Unternehmens an einer
umstrittenen Ausschreibung zur Reinigung des Kiever Wassers
wurde vermutet, dass „das Unternehmen Redo im Wert von 29 Mln.
UAH der exklusive Lieferant von Wasseraufbereitungsanlagen für
Pumpstationen werden könnte“, hies es auf dem Portal. Der
Bürgermeister pflegte einer persönl. Bezhiehung zu "Redo Water
Systems", das in einem früheren Fall, in dem die Firma
Ausrüstung an ein 5-Sterne-Hotel lieferte, das von Klychko
eröffnet wurde.
Ausserdem gab es polit. Diskussion in der Kiever Stadtverwaltung
rund um illegale Bauvorhaben bzw. Baustellen, in die Klychko
verwickelt gewesen sein soll, u. deren Bekämpfung.
2017 führten in Kiev Vertreter des Vereins "Macht der
Gemeinschaften“ gemeinsam mit Aktivisten u. Unternehmern eine
Kampagne durch, um Unterschriften für den Rücktritt des
Bürgermeisters zu sammeln. Als Ergebnis wurden fast 118 Tsd.
Unterschriften gesammelt, was über 10% der Gesamtzahl der Wähler
in Kiev entsprach. Die Aktion wurde vom Bürgermeister nicht
kommentiert u. ihre Ergebnisse wurden von den Medien ignoriert.
Von Seiten von Vertretern des Vereins "Macht der Gemeinschaften“
wurde Klychko daher vorgeworfen, eine totale Zensur in den
Medien einzuführen u. in Kiev ein totalitäres Regierungssystem
aufzubauen.
Im Mai 2021 gab die Hauptverwaltung des Staatl. Fiskaldiensts
der Ukraine bekannt, dass sie über 30 Durchsuchungen in
kommunalen Unternehmen Kievs, in Departementen der staatl.
Verwaltung in Kiev sowie in den Wohnungen von Mitarbeitern
Klychkos durchgeführt habe. Die Gründe für die
Ermittlungsmassnahmen hätten im Zusammenhang mit vermuteter
Steuerhinterziehung u. vermutetem Machtmissbrauch gestanden. Der
ukrain. Präsident s. Volodymyr Zelenskyj, dessen Beziehung zu
Klychko angespannt war/ist, rechtfertigte die Durchsuchungen mit
der Begründung, dass die Massnahmen notwendig gewesen seien u.
warf der Kiever Verwaltung vor „Geld gestohlen“ zu haben.
Vitalij Klychko wurde auch v.a. wegen seiner lustigen
Versprecher im Fernsehen u. in Interviews bekannt, von denen
viele zu Internet-Memes wurden.
Im Jan. 2024 sorgte eine Meldung der österreich. Kronenzeitung
/II/
in der Ukraine u. darüber hinaus für mediales Aufsehen u. für
Empörung. Demnach sei Klychko neuer Eigentümer einer Luxusvilla
im Wert von knapp 5,5 Mio. Euro im Reichenviertel
Hamburg-Othmarschen geworden. Klychko habe das Grundstück als
nicht-monetäre Schuldentilgung von einem Unternehmen erhalten.
Bis Mai 2023 habe es Klychkos Bruder Vladimir gehört. Aber lange
sei Klychko nicht Eigentümer der Immobilie gewesen, denn er habe
sie bald an seine Exfrau Natalija Egorova übertragen, wie Ukrainska pravda-Online nach einer
Recherche berichtete. Im Austausch habe er von ihr ein Haus in
der Ukraine u. einen "Land Rover" erhalten. Diese Transaktionen
seien legal gewesen. Einige Landsleute kritisierten, dass
Klychko sich bereichere, während Soldaten an der Front sterben.
Klychko selbst kommentierte die Angelegenheit nicht. Während
verschiedene User in sozialen Medien forderten, dass Klychko
sein überschüssiges Geld an das ukrain. Militär spenden solle,
verabschiedete das ukrain. Parlament Änderungen am Gesetz über
die Offenlegung von Informationen des Melderegisters in Bezug
auf Besitzverhältnisse, sodass die Ukrainska pravda
diese Immobilienbesitzänderungen recherchieren konnte.
In einem Interview mit der ARD-Tagesschau von Ende Jan. 2024
sagte Klychko, dass es in der Ukraine autoritäre Tendenzen gebe,
polit. Entscheidungen wieder stärker beim Präsidenten zu bündeln
u. zwar zulasten der Regionen u. der Demokratie. Medien oder
Journalisten würden stärkeren Druck von der Zentralmacht spüren.
Man sollte aber „demokratisch
bleiben". Der Seitenhieb war auf Präsident Zelenskyj gemünzt,
dem er vorwarf, dass es seit Beginn der russ. Invasion zwischen
ihnen keinen persönl. Kontakt gegeben habe, weder ein Telefonat
noch ein Treffen, obwohl Klychko selbst „zig mal“ versucht habe,
mit Zelenskyj Kontakt aufzunehmen. Der „polit. Wettbewerb" sei
schuld an dieser Situation. „Eine Funktion eines Präsidenten
sei, dass er die Gesellschaft einigen müsse. Er muss eine Figur
sein, die alle zusammenbringt, Schulter an Schulter." Statt ein
Foto des Präsidenten hängt in Klychkos Büro ein Foto von
Generalstabschef s. Valerij Zaluzhnyj, mit dem er ein gutes
Verhältnis habe.
Starker Tobak wurde im Okt. 2024 von einer ukrain. Journalistin
mit der Unterstützung eines Vertrauten der dt.
Linken-BSW-Politikerin s. Sahra Wagenknecht verstreut, die
Klychko vorwarfen, ausser Korruption zu betreiben auch
in "Menschenhandel u. Prostitution" verwickelt zu sein /II III/. Klychko selbst wies die Vorwürfe
zurück. Diese seien nicht neu u. wurden bereits 2015 von der
ukrain. Frauengruppe "Femen" erhoben u. seien nun zum Gebrauch
für die Putin-nahe Propaganda wieder aufgewärmt worden, hiess
es, mit dem Ziel, Klychko zu verleumden u. die dt. Regierung
dazu zu bewegen, die Waffenlieferungen an die Ukraine
abzulehnen.
Vermögen:
Laut "Bloomberg News" besitzen
die Brüder Klychko insgesamt ein Vermögen von rd. 100 Mln.
Euro, das sich aus einem Portfolio aus Technologie, Rohstoffen
u. privatem Beteiligungskapital zusammensetzt. Rund 35% des
gesamten Vermögens soll in der Ukraine u. grösstenteils in
Immobilien investiert worden sein.)
Klitschko erwartet von der Schweiz:
«mehr Unterstützung für die Ukraine»
KLYCHKOV, Andrej Evgenevich II 2009-19: II III IV V VI VII VIII IX X XI XII XIII XIV XV XVI XVII XVIII XIX XX XXI XXII XXIII XXIV XXV XXVI XXVII XXVIII XXIX XXX XXXI XXXII XXXIII XXXIV XXXV XXXVI XXXVII XXXVIII XXXIX XL XLI XLII XLIII XLIV XLV XLVI XLVII XLVIII XLIX L LI LII LIII LIV 2020-: II III IV V VI VII VIII IX X XI XII XIII XIV XV XVI XVII XVIII XIX XX XXI XXII XXIII XXIV
XXV XXVI (1979-, russ. Jurist u. Staatspolitiker,
z.Zt Gouverneur
des Gebies Orjol. Absolvent des Kaliningrader
Rechtsinstituts des Innenministeriums RF, heute Zweigstelle
der St.
Petersburger Universität des Innenministeriums RF.
Nach seinem Abschluss in "Jurisprudenz" arbeitete er
bei der Straffahndung der Kriminalpolizei von Kaliningrad.
2001 trat er der KPRF
bei, für die er als Rechtsberater tätig war u. bis zum stv.
Leiter des Rechtsdiensts des ZK der Partei aufstieg, indem er
die Interessen der KPRF in der Zentralen Wahlkommission u. dem
Obersten Gerichtshof RF vertrat. Ausserdem fungierte er
als Assistent eines KPRF-Abgeordneten der Staatsduma RF. 2004
absolvierte er ein Studium in "polit. Technologie" an der
Russ. Universität für Innovationen.
Politik: 2006 nahm er an den Wahlen der Abgeordneten
der 4. Kaliningrader Gebietsduma teil, wurde jedoch nicht
gewählt. Im Dez. 2007 nahm er an den Wahlen zur 5. Staatsduma
RF als KPRF-Kandidat teil, wurde jedoch nicht gewählt. 2007-9
war er Mitglied der Zentralen Wahlkommission RF. 2008 schloss
er die Voll- u. Teilzeitabteilung der Diplomat. Akademie des
Aussenministeriums RF mit einem Abschluss in "internationalen
Beziehungen" ab. 2008 wurde er auf dem 13. Kongress der KPRF
zum Mitglied des ZK gewählt u. auf dem 17. Kongress 2017
wiederholt wiedergewählt.´Im Okt. 2009 wurde er auf der
KPRF-Liste in die 5. Moskauer Stadtduma gewählt, in der er die
KPRF-Fraktion leitete. Im Dez. 2011 wurde er in die 6.
Staatsduma RF gewählt, lehnte das Mandat jedoch ab, übergab es
an V.R. Rodin u. blieb Abgeordneter der Moskauer Stadtduma /II
III/. Am "Marsch der Millionen " vom 15. Sept. 2012
sprach er öffentlich auf dem Sakharov-Prospekt. Bei den
Wahlen vom Sept. 2014 wurde er auch in die 6. Moskauer
Stadtduma gewählt, wobei er den Kandidaten der Partei "Einiges
Russland“ überholte. In der Stadtduma war er erneut
Vorsitzender der KPRF-Fraktion, leitete die Kommission für
öffentl. Vereine u. religiöse Organisationen u. war Mitglied
der Kommissionen für Stadtplanung, Staatseigentum u.
Bodennutzung. Seit Feb. 2014 war Klychkov Mitglied des
Präsidiums des ZK KPRF, seit Mai 2017 Sekretär des ZK KPRF.
Ausserdem ist er Sekretär des Moskauer Stadtkomitees der KPRF
u. Berater des Vorsitzenden s. Gennadij Zjuganov. 2016
kandidierte Klychkov für die 7. Staatsduma RF, wurde
jedoch nicht gewählt. Anfang 2017 gab der Politiker bekannt,
dass er an den Moskauer Bürgermeisterwahlen 2018 teilnehmen
wolle. Im Okt. 2017 wurde er jedoch per Dekret des Präsidenten
RF V. Putin zum amtierenden Gouverneur des Gebiets Orjol
ernannt. Für Klychkov kam dieses Angebot unerwartet, er
erklärte jedoch, es als „zusätzliche Herausforderung" u. nicht
„als einen Abschied von Moskau" zu verstehen. Im Sept. 2018
gewann er die vorgezogene Gouverneurswahl des Gebiets Orjol
mit 83,55% der Wählerstimmen u. trat das Amt als Gouverneur des Gebies Orjol an.
Sanktionen: Nach Beginn
des von
Putin im Feb. 2022 entfesselten russ. Angriffskriegs gegen die
Ukraine setzte
das US-Aussenministerium Klychkov ein Jahr später zusammen mit
zahlreichen anderen Gouverneuren u. Oberhäuptern der Subjekte
RF plus einigen Ministern RF auf die entsprechende
Sanktionsliste von Personen, die an "der Durchführung russ.
Operationen u. Aggressionen gegen die Ukraine sowie an der
illegalen Verwaltung der besetzten ukrain. Gebiete im Interesse
der RF“ beteiligt sind, u. insbes. wegen des "Aufrufs der
Bürger zum Krieg in der Ukraine“ /II/. Die Ukraine setzte ihn auf
ihre Sanktionsliste als "Leiter einer Regierungsbehörde, die
die auf militär. Aktionen u. Völkermord an der
Zivilbevölkerung der Ukraine gerichtete Politik der RF
unterstützt/fördert/öffentlich billigt“. Im Juni 2024 wurde er
als an der Deportation ukrain. Kinder nach Russland
beteiligte Person /Gouverneur/
auf die Sanktionslisten der Länder EU gesetzt. Das Amtsblatt
der EU hielt fest, dass "er persönlich
Lager in Russland besuchte,
in die ukrain. Kinder geschickt wurden, u. Anweisung gab, den
Kindern die russ. Staatsbürgerschaft zu verleihen. Diese
Massnahmen verletzen die Rechte ukrain. Kinder u. verstossen
gegen ukrain. Gesetze und Verwaltungsvorschriften.")
KLJACHIN, Aleksandr Ilich
II III IV V (1967-,
sowjet. Wirtschaftsgeograph, russ. Geschäftsmann u.
Grundbesitzer, Hotel-Investor. Absolvent der Fakultät für
Geographie der MSU, Fachrichtung Wirtschaftsgeographie. 2.
Hochschulausbildung an der University of Oregon, USA, mit
Schwerpunkt Geographie. Seit 1993 ist er im Bereich
Finanzmanagement tätig. In den frühen 2000er Jahren begann er
aktiv ein Portfolio verschiedener Projekte auf dem
Immobilienmarkt aufzubauen. 2001 gründete er die
Entwicklungsfirma "Properties" mit verschiedenen Projekten in
Moskau wie das Industriequartier Krasnaja Roza in Khamovniki u. die
Textilfirma Danilovskaja Manufaktura. 2003 gründete
er die Gesellschaftskette "Azimut Hotels", die erste russ.
Hotelmarke, die in Europa auftrat. 2016 umfasste das Netzwerk
23 Hotels in Russland, Österreich u. Deutschland; die
Gesamtzahl der Zimmer beträgt über 8000. Seit 2016 verwaltet
"Azimut Hotels" auch mehrere Hotels im westkaukas. Skigebiet
Roza Khutor, Jasnaja Poljana, Land Krasnodar. 2012
kaufte er das berühmte histor. Moskauer Hotel "Metropol", das vom Moskauer
Bürgermeisteramt versteigert wurde, wobei Kljachin den
Vermögensanteil für 8,9 Mrd. Rubel erwarb. 2013 stimmte er dem
Bau eines Hotels der internationalen Hotelkette "Hyatt" im
Moskauer Gebiet zu – die Eröffnung
war für 2017 geplant. Ferner erwarb er 2013 vom Hauptaktionär
des Magnitogorsker Metallurgischen Kombinats Viktor Rashnikov
das Moskauer 5-Sterne-Hotel "Renaissance Moscow Olympic". 2014 kaufte
Kljachin das Hotel "Belgrad" am Smolensker Platz in Moskau gegenüber
dem Hochhaus des Aussenministeriums, das bis Ende 2016
renoviert werden sollte. Neben Immobilien investiert Kljachin
in Technologieunternehmen. 2016 kaufte er einen Anteil von 25%
am US-amerikan. Startup "Habidatum
International", das sich auf die Analyse u. Verarbeitung
von Daten aus dem städtischen Umfeld für Infrastrukturprojekte
in den Bereichen Verkehr, Immobilien u. Gebietsentwicklung
spezialisiert hat. 2018 wurde Kljachin auch Eigentümer der
Moskauer Schmelzkäsefabrik "Karat" u. 2019 übernahm er in
Baschkirien die Produktion von Truthähnen unter der Marke
"Indjushkin"; dieses Unternehmen erhielt 2022 jedoch einen
kasachischen Eigentümer /II III/. 2023 kündigte die "Azimut
Hotels"-Kette Managementverträge mit einigen europäischen
Hotels, die unter der Marke des Unternehmens betrieben wurden.
Ratings u. Vermögen: 2014 gehörte Aleksandr Kljachin
laut Forbes Russia zu den 30 grössten Vermietern in
Russland. 2015 belegte er im Ranking "Kings of Russian Real
Estate“ den 11. Platz u. 2016 belegte er laut Forbes
Russia den 120. Platz im Ranking "The Richest
Businessmen of Russia“. 2017 wurde der Geschäftsmann erstmals
in die Milliardärsbewertung von Forbes aufgenommen.
Mit einem Kapital von 1,3 Mrd. USD belegte er den 66. Platz in
der russ. Liste u. den 1567. Platz im globalen Forbes-Rating.
2020 schätzte Forbes Kljachins Vermögen auf 1,6 Mrd.
USD u. wies ihn auf Platz 60 der russ. Rangliste. 2023 belegte
er mit einem Vermögen von 1,2 Mrd. USD den 95. Platz im Forbes-Ranking
der "110 russ. Milliardäre“.
Gemeinnützige Aktivitäten: 2006 gründete Kljachin die
Stiftung
"Khamovniki", die soziale Forschungen unterstützt u.
deren Expertenrat-Vorsitzender Simon Kordonskij ist. Kljachin gehört
ferner zu den Gründern des Stiftungsfonds des "Jüdischen Museums u. Zentrums für Toleranz"
in Moskau u. wurde 2021 zum Vorsitzenden seines Kuratoriums
gewählt. Ausserdem ist er Mitglied des Kuratoriums des "Bolshoj-Theaters".
Vorwurf des Raidertums: 2010 bezeichnete die
Zeitung Kommersant Aleksandr Kljachin als Raider,
worüber es Gerichtsurteile gibt. Als "Corporate Raider" wird
nach allgemeiner Definition eine Person oder eine Partei
bezeichnet, die üblicherweise durch eine feindliche Übernahme
bzw. Beschlagnahmung u. illegalen Eigentümerwechsel die
Kontrolle über ein oft unterbewertetes Unternehmen erwirbt. 2021
veröffentlichte die Zeitung Novye Izvestija eine
Untersuchung, in der vermutet wurde, dass mit Kljachin
verbundene Strukturen versuchten, mit legalen Mitteln teure u.
prestigeträchtige Grundstücke in der Nähe Moskaus raidermässig
zu erwerben. Die Untersuchung betraf zunächst Gewerbestandorte
in Khimki bei Moskau, die Neva-Autobahn u. die neuen Gebiete des
Flughafens Sheremetevo. Kljachins Strukturen übernahmen Anteile
an den Firmen z.B. von den Nachfolgern einer sowjet. Kolchose,
wobei vor Gericht die Entscheidungen von längst verstorbenen
Beamten des Moskauer Gebiets, die an der Übertragung von
Grundstücken beteiligt waren, angezweifelt wurden, wie im Fall
des Streits um das Grundstück des Ikea-Gewerbeparks in Khimki.
In diesem Zusammenhang wurde eine Rentnerin wegen Betrugs in
besonders grossem Ausmass zu einer hohen Bewährungs- u.
Geldstrafe verurteilt. Ein langjähriger Rechtsstreit um das
Grundstück im Ikea-Gewerbepark wurde vom Obersten Gericht RF
zugunsten von Ikea entschieden, woraufhin die Vertreter
Kljachins eine neue Verfahrensrunde einleiteten, während die
Medien darauf hinwiesen, dass die "berüchtigte" Anwältin s.
Natalja Veselnickaja auf der Seite Kljachins stehe.)
KNABE, Hubertus
II III IVa IVb IVc
V
VIa
VIb
VII
VIII
IX
X
XI
XII
XIII
XIV
XV
XVI
XVII
XVIII
XIX
XX (1959-,
dt. Historiker
u. Germanist, Dr. phil., Buchautor. Ehem. Mitarbeiter der
Forschungsabteilung des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen
BStU, ehem. Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen,
nach seiner dortigen möglicherweise parteipolitisch u.
ideologisch motivierten Entlassung 2018 ist er als wissenschaftl. Mitarbeiter am Lehrstuhl
für Neueste Geschichte des Instituts für Geschichte der
Universität Würzburg beschäftigt, wo er das Projekt "Die
Mordanschläge der Stasi" betreut. Knabes zahlreiche u.
teilweise kontrovers u. kritisch-negativ rezensierten
Veröffentlichungen befassen sich mit Teilaspekten
des 2. Weltkriegs /II/ u. der ostdt.
Nachkriegsgeschichte, insbes. der Geschichte des Ministeriums für Staatssicherheit MfS der
DDR, u. der berüchtigten Haftanstalt in
Berlin-Hohenschönhausen /II/, den Oppositionsbewegungen im
Ostblock, insbes. derjenigen des 17. Juni 1993 in der DDR /II III/ sowie mit
der Westarbeit der SED u. des MfS /II III/, den Opfern der Berliner Mauer /II/ u. der Aufarbeitung der SED-Diktatur /II III IV/, wie auch mit der
SED-Nachfolgepartei PDS/Linke /II III/. Des weiteren untersuchte er die Stasi-Akten über V. Putin /II III IV/. Nach Ausbruch des von Putin im Feb.
2022 entfesselten russ. Angriffskriegs gegen die Ukraine
erschien in der Welt sein Kommentar über die
Verdrängung der brutalen u. kriminellen Geschichte der
Sowjetunion u. Russlands. Über Putin sagte er in einem BILD-Video, dass dieser „kein normaler Politiker" sei. Putin sei
„ein Kind des KGB. Sein gesamtes Handeln ist auf Täuschung u.
Lügen ausgerichtet. Putin betrachtet
uns als Schachfiguren in seinem Spiel. Wir sollten
nicht den Fehler machen u. Putin als rationalen
Politiker sehen, sondern uns klarmachen, dass er ein
Geheimdienstler ist!“ Er
„wundere
sich, wie manche Entscheidungsträger u.
Intellektuelle momentan Putin huldigen
u. Verhandlungslösungen fordern. Dabei vergessen sie die
Sozialisierung des Despoten.“ „Die
KGB-Sozialisation sei in der DNA dieses Mannes.“ Für die Toten des
Massakers in Butscha
sei der Mann im Kreml verantwortlich.
Es werde „nicht
zu einem 3. Weltkrieg kommen, denn Putin werde sich
hüten, sich mit der NATO anzulegen nach der
Performance, der er [in der Ukraine] mit seiner
Armee hingelegt hat“.
„Der
KGB habe in Russland im Jahr 2000 die Macht
übernommen.“
Putin „kenne
die Grenzen beim Recht u. den Menschenrechten nicht“.
„Es
gebe auch ein
anderes
Russland, das
mit Putin nichts
am Hut hat." „Nach
seinem Eindruck
habe sich die
Ukraine sehr in
Richtung
Demokratie u.
Rechtsstaat
entwickelt. Das
sei vor ein paar
Jahren noch ganz
anders gewesen.
Die dortigen
Proteste
[von 2014]
hätten das Land
total verändert.")
KNEISSL,
Karin II
III
IV
V
VI
VII
VIII IX
X
XI
XII
XIII
XIV
XV XVI XVII XVIIIa XVIIIb
XIX
Mehr (1965-, österreich. Juristin, Dr.
iur., ehem. Diplomatin u. parteilose Politikerin,
Wirtschafts- u. Nahostexpertin, EU-kritische u. Putin-nahe
Russland-Lobbyistin, Buchautorin. Studium
der Rechtswissenschaften u. der Arabistik an der Universität
Wien mit
einem UN-Diplom für Arabisch. Während des Studiums arbeitete
sie in Israel u. Jordanien, war u.a. für Amnesty International tätig
u. unterstützte Umwelt- u. Menschenrechtsorganisationen.
Weitere Studien betrieb sie in USA u. Frankreich. Dissertation in Völkerrecht an
der Universität Wien über den Grenzbegriff der Konfliktparteien
im Nahen Osten. 1990 trat
sie in den diplomat. Dienst des Aussenministeriums
Österreich ein. 1990-8 wirkte sie u.a. im
Kabinett des Aussenministers, im Völkerrechtsbüro u. war in
Paris u. Madrid auf Auslandsposten. Nach ihrem Ausscheiden aus
dem diplomat. Dienst 1998 war sie bis 2003 als freie Journalistin
tätig u. unterrichtete bis 2004 am Institut für
Politikwissenschaft der Universität Wien, an der Diplomat.
Akademie Wien u. andernorts. Schwerpunkte
ihrer Lehrtätigkeit waren Völkerrecht, Geschichte des Nahen
Ostens u. der Energiemarkt - bei diesen Themen gilt sie als
ausgewiesene Expertin. Ferner war sie in verschiedenen
Gesellschaften leitend tätig. Vom
Dez. 2017 bis Juni 2019 war sie von der FPÖ nominierte
Bundesministerin für europäische u.
internationale Angelegenheiten, d.h.
Aussenministerin der Republik
Österreich in der umstrittenen ÖVP/FPÖ-Regierung von s. Sebastian Kurz,
quasi als polit. Quereinsteigerin,
die als Nahost-Expertin einer breiteren Öffentlichkeit
bekannt wurde u. vom damaligen FPÖ-Chef Heinz-Christian
Strache als parteifreie Ministerin ins Team geholt wurde.
Beziehungen zu Russland u. V. Putin:
Kneissl hatte bei ihrer Hochzeit im Aug. 2018 für Aufsehen u.
Kritik gesorgt, weil der Präsident RF V. Putin bei ihr zu Gast
war u. die Ministerin mit ihm ein Tänzchen zum Besten gab,
bei dem sie vor Putin einen tiefen Hofknicks /II/ machte u.
Putin galant ihre Hand küsste u. eine Ansprache
auf Deutsch hielt /II III IV V VI
/. Auch BK Sebastian Kurz war zugegen.
Der vom Innenministerium gesicherte Anlass, was den Staat
222 Tsd. Euro kostete, wurde v.a. von der österreich.
Opposition heftig kritisiert, wobei ihr Knicks vor Putin
in Kommentaren als Unterwerfungsakt
bewertet wurde.
Die Veranstaltung hatte einen ambivalenten Status:
Laut einer Sprechern des österreich.
Aussenministeriums habe
es sich „in erster Linie um eine private Feier u. einen
persönl. Besuch“ gehandelt, der mit
einem „offiziellen Arbeitsbesuch“ des russ. Präsidenten mit
den entsprechenden vom Staat bezahlten Sicherheitsvorkehrungen
verbunden gewesen sei. 2022 wurde in diesem Zusammenhang
bekannt, dass Putin nicht nur mit
zehnköpfigem Donkosakenchor u.a. "Utensilien" angereist
kam, sondern der Braut auch
wertvolle Weissgold-Ohrringe mit Saphiren überreicht
hatte. Während das Aussenamt die Rechtsmeinung vertrat,
es habe sich um Staatsgeschenke gehandelt, die also
Staatsbesitz seien, betrachtete Kneissl die Ohrringe als
privates Hochzeitspräsent u. wollte sie behalten. Ausserdem
sei Putins Besuch an ihrer Hochzeit reiner Zufall gewesen, wie sie erklärte.
Spätestens nach diesem peinlichen Vorfall wurde Kneissl der
Anhängerschaft Putins überführt. Ihr enger Draht zum
umstrittenen russ. Staatsschef sorgte weithin für
Gesprächsstoff u. unangenehme öffentl. Kommentare u.
Einschätzungen durch verschiedene polit. Beobachter u.
Experten, u. brachte die Skandal-Ministerin zusehends in
Bedrängnis. Während etwa der österreich. Politologe s. Gerhard Mangott in „Österreich
eine Art trojan. Pferd für Putin innerhalb der EU“ zu sehen
glaubte, betrachtete der in der Schweiz lebende russ.
Exil-Schriftsteller s. Michail Schischkin im
Feb. 2022 Politiker wie Karin Kneissl als „nützliche
Idioten u. Idiotinnen“ für Autokraten wie Putin u.
Helfeshelfer bei der Zersetzung
u. Korrumpierung der demokrat. Welt, auf die
die Kleptokratie Russlands angewiesen sei.
Putin könne so beweisen, dass er in der EU
nicht isoliert sei. Auf ukrain. Seite wurde
die Eignung österreich. Politiker als Vermittler im Ukraine-Konflikt
mit Russland bestritten, nachdem bereits die
Regierungsbeteiligung der Russland- u. Putin-freundlichen FPÖ aufgrund ihres 2016 geschlossenen
Kooperationsvertrags mit der Kreml-Partei "Einiges
Russland" für Irritationen gesorgt hatte.
Als BK Kurz im Zuge der sog. Ibiza-Affäre im Mai 2019 die
Regierungskoalition beendete, schied Kneissl aus der Politik
aus. Sie
habe ihr „freies Schaffen ohne Geldreserven" wieder
aufgenommen, vom Härtefonds aber kein Geld erhalten.
Zu Beginn der Corona-Krise hatte Kneissl offenbar finanzielle
Probleme.
"RT" u. "Rosneft": Im Mai 2020 kündigte die
Chefredaktorin des im Westen umstrittenen russ. Staatssenders "Russia Today /RT/" s. Margarita
Simonjan an, dass Kneissl "Gastautorin bzw. Kolumnistin" bei "RT"
werde. Kneissls
Bekanntschaft mit Putin zahlte sich für sie später noch mehr
aus: Im März 2021
nominierte die Regierung RF Karin Kneissl für einen Sitz im
Aufsichtsrat des staatl. Ölkonzerns "Rosneft", wofür sie im Juni
2021 vom Unternehmen in dieser Funktion offiziell bestätigt
wurde. Als Aufsichtsrätin bei "Rosneft" soll
sie mindestens 500 Tsd. USD jährlich verdient haben. Mit
dieser nicht unproblemat. Berufung nahm Kneissl eine
vergleichbare Position wie schon vor ihr der dt. Ex-BK s.
Gerhard Schröder
u. zur selben bzw. etwas späteren Zeit der französ. Ex-PM
François Fillon ein, die ebenfalls als Aufsichtsräte u.
Lobbyisten für russ. Staatskonzerne tätig
wurden. Trotz des von Putin im
Feb. 2022 entfesselten russ. Angriffskriegs gegen die Ukraine weigerte
sich die ehem. Diplomatin u. Menschenrechtsaktivistin, auf ihren Aufsichtsratsposten beim russ.
Ölkonzern zu verzichten. Ende
Feb. verteidigte sie im russ. Staatsfernsehen "RT" das
Vorgehen Moskaus gegen die Ukraine als „ganz normalen
völkerrechtl. Vorgang" u. als „minimalste Form der
Eskalation". Im März 2022 wurde sie
deshalb auf eine "schwarze Liste" der EU gesetzt, denn
ihre Nähe zum russ. Präsidenten wurde auch von der EU als
problematisch empfunden, wie
die Fälle Schröders u. Fillons
zeigten. In einem Interview mit dem Sender RTL
vom März 2022 beschwerte sich Kneissl darüber, dass auf
sie erheblicher polit. Druck ausgeübt werde. Ihr Leben sei
damit „vernichtet“ worden. Aufgrund
eines de facto-Arbeitsverbots - selbst ihre Bücher seien
boykottiert worden - habe sie Österreich verlassen müssen,
wie sie gegenüber "Krone TV" sagte. Nach heftiger Kritik in
der Heimat u. in Europa gab "Rosneft" im Mai 2022 bekannt,
dass Kneissl den Aufsichtsrat des Konzerns verlassen
habe /II/.
"Flucht" aus Österreich: In
ihrer Heimat von
„vielen Anfeindungen" belästigt u.
geplagt - sie u. die russ. Presse sprachen von schlimmen „Morddrohungen"
/II/, zog sie, sich als selbsternanntes
Opfer einer beispiellosen Hetzjagd aufspielend, im Herbst
2020 als
„polit. Flüchtling“ „unfreiwillig ins Exil", zuerst nach Südfrankreich, wo sie mit ihrem halben Zoo einen
kleinen Bauernhof bezog, um einen Neuanfang in ihrem
perturbierten Leben zu wagen. Sie
betrachtete sich aber inzwischen als rehabilitiert u. meldete
sich des öfteren wieder öffentlich zu Wort, als sie im
Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie ihre finanziellen Bedürfnisse rechtfertigte
u. die Regierung kritisierte. Aberdie
französ. Regierung habe ihr Steine in den Weg gelegt u.
sie habe sich von Geheimdienstspitzeln beobachtet gefühlt.
Die selbstdeklarierte Verfolgte u. Vertriebene schreckte
nicht davor zurück, die Situation mit der Hitlerzeit zu
vergleichen - Europa sei in ein
„weiss-schwarz-Schema"
gefallen.
2021 erschien sie anlässlich einer Konferenz an der MGIMO in Moskau u. beim Swissquote Trading Day. 2022
übersiedelte sie dann
mitsamt ihren Tieren in den Libanon, wo sie zusammen mit einer
syrischen Familie im Drusengebiet des libanes. Gebirgs wohnt.
Mit dem inzwischen wirtschaftlich ruinierten Libanon hatte sie
sich als Nahostkennerin schon früher beschäftigt. Im Libanon
sei sie zwar mit einer Bürokratie
„osmanischer" Art konfrontiert worden, konnte dort aber
immerhin "RT" empfangen u. von einer Moskaureise träumen,
wie sie in einem Exklusivinterview erzählte. Im
Jan. 2023 reagierte Kneissl auf
"Twitter" auf die öffentl. Beschimpfung der LINKE-Politikerin
s.
Sarah Wagenknecht durch den ehem. ukrain.
Botschafter in Deutschland, s. Andryj Melnyk, der sie eine „widerliche
Hexe" genannt hatte. u. kritisierte diese verbale
Entgleisung des damaligen Vizeaussenministers der Ukraine, der
der Organisation Stepan Banderas nahesteht. „Solche
Attacken erhalte sie regelmässig seit bald 5 Jahren", klagte
sie. Im Unterschied zu Wagenknecht leide sie aber unter einem
Arbeitsverbot, weil ihr Name auf einer "schwarzen Liste" der
EU wegen Beteiligung an russ. Desinformation stehe.
Nach
dem Ausbruch des von
ihrem Verehrer Putin im Feb. 2022 entfesselten russ. Angriffskriegs gegen die Ukraine
kommentierte sie das Ereignis bei verschiedenen Gelegenheiten,
wobei sie durch proruss.
Statements auffiel u. für Putin gerne als „wahren
Gentleman“
schwärmt.
In Russland: Im Sept. 2023 wurde in den Medien
berichtet, dass Kneissl sich in
Russland,
der Heimatstadt Putins St. Petersburg,
niedergelassen habe, um dort
„eine von ihr gegründete Denkfabrik zu leiten". Es
handelt sich um den neuen
staatsnahen Thinktank "Gorki" /II/-
Geopolit. Observatory for Russia`s Key Issues - an der
Universität St. Petersburg, bei dem sie
die Position der Vorsitzenden einnimmt, Vorträge hält u.
sich offenbar Gedanken über
geopolit. Schlüsselfragen aus russ. Sicht macht. Den
Sommer habe sie in einem russ. Dorf südöstl. von Moskau
verbracht. Ihre Ponys habe sie in einem russ. Armeeflugzeug
von Syrien nach Russland transportieren lassen. St.
Petersburg habe sie als Wienerin als „eine
Art Naturreservat dessen erlebt, was einst Europa war“.
Kneissl gab zu, Russisch zu wenig zu beherrschen.
2021, 2023 u. 2024 nahm Kneissl
am St. Petersburger Internationalen
Wirtschaftsforum teil, worüber sie in einem Interview berichtete.
In
diesem Gespräch vom
Juni 2024 schwärmte die wohl ziemlich naive Österreicherin
überschwenglich von Russland u. sagte, dass Russland
„in
eine neue Ära steuere, in der Russland vieles mitgestalte,
während in Europa Hilflosigkeit, Lähmung u. Angst
herrschten u. Russland in China bewundert werde u. es in
Afrika grosse Hoffnungen
auf die Zusammenarbeit mit Russland gebe“.
Den
„tiefen
Humanismus“,
den es in Russland gebe, gebe es in Europa
nicht. Das Totalitäre, das Hannah
Arendt beschrieben habe, habe etwas mit den deutschen
Sprachraum zu tun. In Russland gebe es eine Menschlichkeit
u. eine Liebe zum Leben. Sie
habe
zwar nie geplant, nach Russland auszuwandern,
aber sie sei sehr
denkbar all denen, die sie verjagt hätten.
In Russland sei es möglich, mit 60 noch einmal anzufangen. Die
USA
kritisierte sie wegen der „ausgebauten
Sanktionen“
u. ihres „unhöflichen u. aggressiven
Tons gegenüber China“.
Selbstverständlich liess es sich auch der Weltwoche-Herausgeber s. Roger Köppel
nicht nehmen, Kneissl zu interviewen, aber v.a. über die
aktuelle Lage im Nahen Osten.
Im Juni 2024 stellte die
"Professorin" in SPB ihr neustes Buch mit dem Titel Requiem für Europa /II III IV V VI VII VIII IX/ vor, das auf Russisch erschien,
referierte dazu anlässlich
der
Generalversammlung der Russ. Historischen Gesellschaft
u. erntete laut Nachrichtenagentur TASS prompt Applaus u. Dank von Seiten deren
Vorsitzenden s. Sergej Naryshkin, der übrigens zugleich
SWR-Auslandsgeheimdienstchef ist. In
ihrem auf Französisch gelesenen Redetext verleumdete
die Ex-Diplomatin Ihre alte europäische Heimat als
„Europa des Krieges“ u. benutzte den Begriff vom „totalitären
Krieg“. „Das
Europa, für das sie ihr Leben lang dankbar gewesen sei, habe
aufgehört zu existieren. Es habe seine seine Seele verloren.“
Das autobiographisch angelegte Buch der in Europa „verfolgten“
/sic/ Autorin
"biete eine historische u. polit. Perspektive auf die
wichtigsten Ereignisse, die zu einem weiteren Zerfall der EU
führen könnten“,
ist auf der entsprechenden Webseite der Uni zu lesen. Statt "Freiheit,
Gleichheit u. Menschenwürde“
herrsche in Europa nun "eine
neue Art der Zensur, wirtschaftl. Spaltung u. beissende
Menschenverachtung“,
soll es in ihrem Buch geschrieben stehen.
Insgesamt soll sie in dem Buch den Untergang des alten Europa vorausgesagt
haben. Im Juli 2024 trat Kneissl per Video-Zuschaltung aus Russland im
Rahmen einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats
in New York zum Thema "Bedrohungen
für den internationalen Frieden u. die Sicherheit“ in
Erscheinung, wobei sie von den Russland, das damals den
Vorsitz des Gremiums hatte, als „Expertin“
eingeladen wurde. Sie benutzte die Gelegenheit, vor möglichen
Auswirkungen westlicher Waffenlieferungen an die Ukraine für
Europa zu warnen,
u. äusserte überschwengliches Lob für die ungarische
Regierung unter s. Viktor Orbán, die als „einsame Stimme in
Europa“ für einen Stopp von Waffenlieferungen an die Ukraine
eintrete. Während die Sitzung
von der Ukraine u. der EU boykottiert wurde, zeigte
sich das österreich. Aussenministerium über Kneissls
Auftritt in New York weniger erfreut. Im Sept. 2024 meldete
die staatl. russ. Nachrichtenagentur "Ria Novosti", dass die
frühere österreich. Aussenministerin von Präsident Putin zur Botschafterin für den Schutz des Amurtigers
/II III/ ernannt worden sei. Im Sept. 2022
hatte sie auf dem Wirtschaftsforum in Vladivostok mitgeteilt,
dass sie gerne Patenschaften für Wildkatzen übernehmen würde.
Kneissl sagte laut BBC/Kronenzeitung in Russland
öffentlich, dass sie „keine
Repression gesehen oder wahrgenommen“
habe; sie könne im akadem. Umfeld frei arbeiten, diese
Freiheit habe sie an den Universitäten der EU vermisst.
Nach Österreich möchte sie nicht mehr zurückkehren, es sei
denn ihre Reputation werde wieder hergestellt. Ihr würden
Korruption, Hochverrat u. 30 Jahre KGB-Spionage vorgeworfen,
dies sei schmutzige Phantasie.“
Bei ihrer Gesamtabrechnung mit Europa sagte sie laut Kronenzeitung auch, dass es in
Europa keine Demokratie gebe, hingegen gebe es laufende
Menschenrechtsverletzungen. In
einem
Interview mit einem
russlandfreundlichen Youtube-Kanal sagte Kneissl im
Nov. 2024, dass „totalitäres
Denken in russ. Köpfen keinen Platz habe, sehr wohl aber in
mitteleuropäischen Köpfen", u. erklärte
ferner, wieso es kein Zufall gewesen sei, „warum
Hitler aus Österreich kam
u. die wesentlichen Gestapo-Spitzen aus Österreich
waren" /II
III/, u. führte dies auf „eine
Mischung aus Kleingeistigkeit, tiefsitzendem Futterneid u.
gewaltig hohen Minderwertigkeitskomplexen", die es in diesen „vielen
Kleinstaaten“
wie Österreich u. Tschechien
gebe /Ungarn wird natürlich nicht
explizit erwähnt/,
zurück. Im selben Monat wurde berichtet, dass Kneissl Professorin
an der Staatsuniversität Rjazan, 200 km südöstlich von
Moskau, werden soll. Mit ihren fragwürdigen Thesen u.
verzerrten, völlig inakzeptablen Äusserungen stellt Kneissl
mit ihrer Polarisierung natürlich ein gefundenes Fressen für
die Kreml-Propaganda dar, deren Narrative sie in ihrer
Abrechnung mit Europa u. Österreich auf ihre Art ideal
bedienen kann. Die blödsinnige antieuropäische Lobbyarbeit
Kneissls im Dienste Putins passt anscheinend perfekt in das
Schema der Kreml-Propaganda, die die Verkehrung der Umstände
und Fakten in ihr Gegenteil praktiziert und dazu die
verblendete Österreicherin in Russland für ihre perfiden
Zwecke einsetzen kann. Auch in ihrem "Telegram"-Kanal, in dem allerhand
skandalöse Substanzen frei abgesetzt werden können, treibt
Kneissl zur Freude der Putinisten ihr rein persönlich
motiviertes rachsüchtiges Schmutzwerk gegen Europa lautstark
voran, während TASS ihre Beiträge eifrig reproduziert
u. das Medium "regnum.ru"
gerne bereit ist, diverse verrückte Verschwörungstheorien
Kneissels zu wiedergeben, etwa dass der Westen Russland in Stücke aufteilen
wolle, u.a.
Kneissls Liegenschaft in NÖ wurde inzwischen
gepfändet, d.h. die zuständige Behörde habe im März 2023
eine gerichtliche Exekution durchgesetzt
u. sich ein Pfandrecht ins Grundbuch eintragen lassen, weil
die Eigentümerin bei der Sozialversicherung einen Rückstand
von rd. 3500 Euro aufwies.)
KNIGHT, Amy W. II
III
IV
V
VI
VII
VIII IX X (1946-,
US-amerikan. Historikerin für die Themen Sowjetunion u.
Russland. Dr. phil./PhD in russ. Politik an der London School of
Economics and Political Science LSE. Sie unterrichtete an der
LSE, der Paul H. Nitze School of Advanced International Studies
an der Johns Hopkins University, der George Washington
University u. an der Carleton University. Ausserdem arbeitete
sie 18 Jahre lang an der US Library of Congress als Spezialistin
für russ. u. sowjet. Angelegenheiten. Knight schreibt ausserdem
für The New York Review of Books, The Times Literary
Supplement, The Globe and Mail u. The Daily Beast. Sie
wurde von der New York Times als "die führende
KGB-Gelehrte des Westens“ beschrieben. Autorin des Buchs "Putin´s Killers" /II III/.)
KNOPP, Guido
II Alle Videos
(1948, dt. Historiker, Journalist, Publizist u. TV-Moderator. Er
ist v.a. für seine Beschäftigung mit zeitgeschichtl. Themen,
insbes. zum Thema Nationalsozialismus, bekannt geworden. 2023
/Redaktionsschluss Juli/ erschien unerwartet sein lesenswertes
u. gut geschriebenes Buch "Putins Helfer. Die Hintermänner der russ.
Diktatur", in dem der Autor 7 zentrale Machtfiguren u.
berühmt-berüchtigte Komplizen des Putin-Regimes porträtiert: s.
Evgenij Prigozhin, s. Sergej Shojgu, s. Roman Abramovich, s.
Dmitrij Medvedev, s. Sergej Lavrov, s. Patriarch Kirill, u. s.
Vladimir Solovjov. Die Idee zu dem Buch stammte von Knopps Sohn,
dessen Vater vor Jahren das Erfolgsbuch "Hitlers Helfer"
geschrieben hatte. Knopp selbst war etwa 80 Mal in der
Sowjetunion gewesen, wo er u.a. über den 2. Weltkrieg
recherchierte u. Dokumentationen produzierte.)
KNJAZEV, Evgenij Vladimirovich
I
II
III
IV V VI VII VIII IX X XI XII XIII XIV XV XVI XVII XVIII XIX XX XXI XXII XXIII XXIV XXV XXVI XXVII XXVIII XXIX XXX XXXI XXXII XXXIII XXXIV XXXV XXXVI XXXVII XXXVIII XXXIX XL XLI XLII XLIII XLIV XLV XLVI XLVII XLVIII XLIX L LI LII LIII LIV LV LVI LVII LVIII (1955-, sowjet. Bergingenieur, u.
russ. Theater-, Film- u. TV-Schauspieler, Theaterpädagoge,
Rezitator. Absolvent des Tulaer Polytechnischen Instituts,
anschliessend Eintritt in eine Theaterschule u. Aufnahme in
das E.B. Vakhtangov-Theater. Seit Mitte der 1990er Jahre
spielte er in verschiedenen Theaterkollektiven u.
unterrichtete am B. Shchukin-Theaterinstitut, das dem
Vakhtangov-Theater angegliedert ist u. dessen Rektor er seit
2003 ist. Träger des Staatspreises RF, Volksünstler der
Republik Nordossetien u. der Republik Abchasien, Mitglied des
Öffentl. Rats des Russ. Jüdischen Kongresses. Als Schauspieler
bekannt geworden ist er v.a. aufgrund seiner Filmrollen als Leo Trockij /II III IV/, Wolf Messing /II III IV/, Boris Pasternak /II III IV/, Iosif Stalin /II III IV V/ u. Tevje der Milchmann /II III IV V/, ein Film, der in der Ukraine gedreht wurde.
Im März 2014 unterzeichnete
Knjazev einen Aufruf der Kulturschaffenden Russlands zur
Unterstützung der Politik des Präsidenten RF V. Putin in der
Ukraine u. auf der Krym. 2018 war er ein Vertrauter des
Moskauer Bürgermeisterkandidaten s. Sergej Sobjanin u. wurde
per Dekret des Präsidenten RF in die neue Zusammensetzung
des Rats beim
Präsidenten RF für Kultur u. Kunst
aufgenommen. 2019 erhielt er vom Präsidenten RF V. Putin den
"Vaterländ. Verdienstorden" 4. Grades. Bei wiederholten
Besuchen auf der Krym wurde er in die Datenbank der ukrain.
Website "Myrotvorec"
/II/ aufgenommen u. in der
Ukraine zur unerwünschten Person erklärt. Er unterstützte auch
den von Putin im Feb. 2022 entfesselten russ. Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Im März 2023 rezitierte Knjazev ein Gedicht /II/ sowjet. Typs zu Ehren des
10-jährigen Brjansker "Helden Fjodor“, der im Ukrainekrieg
verletzt wurde. Das Video verbreitete sich rasch im Internet
u. machte den Kinderhelden im ganzen Land bekannt. Kritiker
fanden Ausdrücke wie „gelbblaues Ukro-Reich" u. „faschist.
gelb-blauer Teufel“ anstössig, die als Merkmale von Anstiftung
zu interethnischem Hass u. Kriegsstimmung verwendet worden
seien. 2024
spielte er in einem neuen Bulgakovschen "Master u.
Margarita"-Film /II III/ die Rolle des Berlioz u. wurde
zur persönl. Vertrauensperson des Präsidenten RF V. Putin
ernannt.)
KNJAZKOV, Aleksandr Lvovich
II (1962-, sowjet.
Petrochemie-Technologe, russ. Manager u. Staatspolitiker im Gebiet
Jaroslavl. Absolvent des Polytechnischen Instituts
Jaroslavl. Er arbeitete in der Ölraffinerie von Jaroslavl als
Chefingenieur, technischer Direktor, seit 2009 als Direktor.
Unter seiner Leitung wurde die Raffinerie umfassend
modernisiert, das Management u. die Produktion umgestellt u.
Aufbereitungsanlagen installiert, die es ermöglitchen, die Menge
der in die Atmosphäre gelangenden Schadstoffe um das 5-fache zu
reduzieren. 2011 stellte das Unternehmen als erstes in der RF
vollständig auf die Produktion von Kraftstoffen gemäss der
EURO-5-Norm um. Politik: 2008-12 war Knjazkov
Abgeordneter der 5. Jaroslavler Gebietsduma als Vertreter der
polit. Partei "Einiges Russland“ u. Mitglied des Ausschusses für
Wirtschaftspolitik. Ab Dez. 2012 war er 1. stv. Gouverneur des
Gebiets Jaroslavl, Vorsitzender der Regierung, von der 6.
Jaroslavler Gebietsduma im Amt bestätigt. Er befasste sich mit
dem Bau von Vorschuleinrichtungen, der Umsiedlung
heruntergekommener Notunterkünfte, der Fertigstellung medizin.
Einrichtungen u. dem Strassenbau. Für die Sanierung des
Hauptstrassennetzes des Gebiets schlug der Regierungschef vor,
Bussgelder wegen Nichteinhaltung der Verkehrsregeln an den
regionalen Strassenfonds zu überweisen u. für
Strassenrenovationen zu verwenden. Er fungierte als
Schiedsrichter bei der Lösung des Konflikts zwischen "Gazprom
Mezhregiongaz" u. "TGK-2", in dessen Folge die Gasversorgung der
Anlagen von "TGK-2" wegen Schulden unterbrochen wurde u. einige
Häuser in Jaroslavl ohne Warmwasser blieben. 2014 schaltete
Knjazkov eine persönliche Website im Format eines
Online-Empfangs unter der Adresse "Knyazkov.online“ auf, auf der Einwohner
des Gebiets Jaroslavl die Möglichkeit hatten, dem Regierungschef
direkt problemat. Fragen zu stellen, abzustimmen u. Antworten
per Video zu erhalten. Nachdem Knjazkov im Aug. 2016 aus seinen
Ämtern als 1. stv. Gouverneur u. Vorsitzender der Regierung des
Gebiets Jaroslavl ausgeschieden war, war die Website nicht mehr
in Betrieb. Seither ist er noch als stv. Gouverneur des Gebiets
u. Leiter der Repräsentanz des Gebiets Jaroslavl bei der
Regierung RF tätig.)
Neuster Stand 06.23 / 01.25 (20)
Keine
Garantie für Richtigkeit u. Vollständigkeit der Angaben.
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